Ritual outdoor

… die Arbeit heute hat mir sehr viel Spaß gemacht. Eigentlich möchte ich gar nicht von „Arbeit“ sprechen, denn ich habe es eher als nettes Beisammensein empfunden, während dem ich neue Erfahrungen machen konnte. Vorher dachte ich noch, der Flashmob würde eine riesige Aktion und dass wir sicherlich einige Hürden überwinden müssten – aber dadurch, dass wir erst relativ klein gestartet haben und dann erst die Außenwirkung vergrößert haben, hatte ich nie das Gefühl, fehl am Platz zu sein oder mich schämen zu müssen. Die Partitur und auch meine Mitspielerinnen haben mir einen so sicheren Rahmen gegeben, dass ich das Spielen als genauso natürlich empfunden habe wie im Unterrichtsraum. Die Menschen um mich herum haben es einfach nur interessanter und vielseitiger gemacht. Hinterher allerdings habe ich doch gemerkt, dass es mich einige Energie gekostet haben muss, ich war sehr müde. Trotzdem aber einfach ein ganz wundervoller, intensiv-schöner Vormittag!
Ich danke dir für diese erste Einheit, die mir insgesamt sehr viel gegeben und die mich in einigen Dingen extrem vorangebracht hat. Die sanfte Art, mit der wir jede Woche wieder ein Stück weiter aus unserer Comfort Zone gehen, tut mir so gut, dass ich auch in vielen anderen Situationen merke, wie ich innerlich immer stärker und selbst-bewusster werde. Denn ich merke, dass ich zwar Grenzen überwinde, davor aber keine Angst haben muss. Ich habe jetzt schon einige Werkzeuge, die mir auf dem Weg auch über sie hinaus weiterhelfen. Das erleichtert den Alltag, aber auch die Bühnensituation wird noch vertrauter und immer mehr mit mir und meinem Körper verbunden. Es ist wirklich eine ganz großartige Erfahrung, mit dir zu arbeiten! Vielen Dank dafür. …

… ich fand unsere Performance am Dienstag morgen überraschend entspannt. Ich hatte eine exaltierte, auf Reaktion abzielende Vorstellung erwartet und war daher angenehm überrascht, dass Ziel unseres „Auftrittes“ war, uns organisch in die Umgebung einzufügen und eben nicht aufzufallen. Durch unser Üben im Klassenraum hatte ich mich schon an den Ablauf der einzelnen Stationen gewöhnt, sodass es mir gar nicht besonders eigenartig vorkam, sie auch in die Öffentlichkeit zu übertragen. Eher schwer gefallen ist mir, den anderen bei ihrer Performance zuzusehen, wo ich den Grad der Auffälligkeit nicht selbst kontrollieren konnte – der Gedanke, in der Öffentlichkeit irgendwie unangenehm Aufsehen zu erregen, ist für mich immer noch ein sehr unangenehmer. Angepasst und rücksichtsvoll zu sein waren Werte, die in meiner Familie immer sehr hoch gehängt wurden, und Leute, die zu viel Aufmerksamkeit auf sich zogen oder sich in den Mittelpunkt stellten, wurden eher verurteilt und als störend empfunden. Als ich selbst daran war zu spielen, konnte ich mich davon aber ziemlich gut lösen und befreien und mich ganz in mein Alter Ego begeben. …

2018-11-10T16:05:37+00:00