Seelenarbeit – Dantes Läuterungsberg

/ Ein Oster- und Auferstehungs-Epos / Von Lorenz Wachinger/

Nicht zufällig lässt Dante sein „Purgatorio“ („Läuterungsberg“, „Fegefeuer“) – mittlerer Teil seiner „Divina Commedia“, nach der „Hölle“ und vor dem „Paradies“ – am Ostermorgen 1300 beginnen. Er will erklären, was Erlösung, Auferstehung bedeutet, wenn sie nicht einseitig auf Jesus bezogen wird und wie sie geschieht: nämlich wie ein Mensch, vor oder nach seinem Tod, zu einer Heilung seines Lebens kommt und den Sinn von allem findet.
Der Dichter wagt, vom „Jenseits“, vom Leben nach dem Tod zu reden, das er mit dem Begleiter Vergil erfährt, – in Bildern und Symbolen, mit Ahnungen und Träumen, er schildert Begegnungen mit Verstorbenen und philosophische Gespräche. Er beschreibt einen großen Weg, eine Besteigung des Läuterungsbergs in sieben Umkreisungen, mit Mühe, „Seelenarbeit“ des Höherkommens, auch mit ungeahnten Hilfen, und wie sich dabei die Heilung von Fehlhaltungen vollzieht, wie die Sehnsucht nach dem endgültigen Leben, der tiefe Wandlungs-Prozess sich allmählich durchsetzt. Denn was Dante sucht, ist Freiheit von Behinderungen: von den sieben Haupt- oder Wurzelsünden, wie Hochmut, Geiz, Neid usw.
Dahinter steht die alte Lehre vom Fegfeuer, der Reinigung des Menschen von den Sündenfolgen, nachdem grundsätzlich die Erlösung geschenkt ist.
Das aber ist unser aller Fall: wir glauben uns gerettet, aber nicht am Ziel. Das Ziel wärechristlich die Schau Gottes, das Bei-Gott-sein, oder der Sinn des Lebens, das Glück. Man kann das, mit guten Gründen, eine „Auferstehung der Toten“ nennen.

2018-07-11T18:28:33+00:00