Heilung? Geschenkt.

Heilung? Geschenkt!
Wie Mediziner das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist neu entdecken

Das Bewusstsein wächst: Heilung ist bei vielen Diagnosen erst dann in Sicht, wenn Körper, Seele und Geist als Einheit begriffen werden. Und wenn mit einer Heilkraft gerechnet wird, die über die Medizin und die ärztliche Heilkunst hinausgeht. Denn jede psychische und körperliche Krise kann zugleich als spirituelle Krise wahrgenommen werden. So suchen viele neue und selbstbewusste Wege für ihre Gesundheit und ihr Seelenheil zugleich. Wege, die wieder zusammenbringen, was bei uns normalerweise getrennt behandelt wird, Heil und Heilung, Körper und Seele. Seit mehr als 35 Jahren treffen sich in Heiligkreuztal Menschen aus Heilberufen und aus Theologie und Seelsorge, um sich auszutauschen und wieder zusammenzubringen, was zusammengehört. Krankheit ist dann nicht nur ein Störfaktor in einer Körpermaschine, sondern ein Wegweiser für ganzheitliche Wachstum. Und Erfahrungen mit geistigem Heilen werden genauso ernstgenommen wie psychosomatische Zusammenhänge.

Die Medizin, wie sie im Westen überwiegend praktiziert wird, blendet die Ganzheitlichkeit des Menschen weitgehend aus. Dass Heil und Heilung in Europa getrennt wurden, hat historische Wurzeln: Das Christentum verfeinerte über Jahrhundrte seine Gottes- und Teufelsvorstellungen. Diese führten letzlich dazu, dass aus Krankheit Sünde und Strafe wurde und aus Unglauben Krankheit.

Schamanisches Wissen erfährt neue Wertschätzung

Ganzheitliches tradiertes Wissen – was heute in anderen Kulturen schamanisches Wissen genannt wird und gegenwärtig vielerorts eine neue Wertschätzung erfährt – wurde auf dem europäischen Kontinent vor allem mithilfe der Inquisition verteufelt und brutal verfolgt. In England, wo der Einfluss der Inquisition gering war, haben Heiler bis heute einen ganz anderen Stand.

Mit der Aufklärung wurde Medizin und Theologie daher scharf getrennt: Für den Körper sollte ab jetzt der Arzt zuständig sein, die Kirche nur noch fürs Seelenheil. Der Körper wurde nun als eigenständig funktionierender Mechanismus erforscht, Medikamente auf ihren Einfluss auf diesen Mechanismus hin ausprobiert.

Aufteilung des Menschen in Einzelbereiche

Die Seele wurde dann im 19. Jahrhundert noch einmal aufgespalten. Mit Sigmund Freud wurde Religion selbst als eine Art kollektive Zwangsneurose definiert und deren lebenshemmende Züge benannt. Unser Seelenleben lässt sich seither ebenfalls in Modelle überführen. Und das Unbewusste ist seither eine Welt, die erforschbar ist. Es, Ich, Über-Ich. Kein böser Geist befällt uns mehr, es sind Triebkräfte der Psyche oder Traumata.

Heute glauben immer mehr Menschen, dass diese Zerteilung in Einzelbereiche am Wesen des Menschen vorbeigeht. Viele Ärzte trauen sich aber nicht darüber zu reden, aus Angst, als unproffesionell abgestempelt zu werden.

„Wenn man näher mit Kollegen in Kontakt kommt, dann ist es erstaunlich, dass sie sehr wohl eine Verwurzelung im religiösen Bereich haben. Aber kaum einer traut sich, darüber zu reden. Erst wenn sie im Ruhestand sind, trauen sie sich, etwas zu sagen.“

Arzt Nicolas Behrens

Spiritualität bei der Heilung

Im ehemaligen Kloster Heiligkreuztal, auf halbem Weg zwischen Stuttgart und dem Bodensee, treffen sich seit rund 35 Jahren Therapeuten aus den verschiedensten Bereichen, denen es wichtig ist, bei der Heilung auch Spiritualität mitzudenken. Nach wie vor sind die Heiligkreuztaler Begegnungstage Plattform für den Erfahrungsaustausch von Therapeuten, die ganzheitlich arbeiten und mit einer Dimension rechnen, die Spiritualität genannt wird.

Krankheit ist dann nicht nur ein Störfaktor in einer Körpermaschine, sondern ein Wegweiser für ganzheitliches Wachstum. Und Erfahrungen mit geistigem Heilen werden genauso ernstgenommen wie psychosomatische Zusammenhänge.

Quelle: BR2

2019-01-31T19:20:07+00:00

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