„Seele – läuft“ Wieso die Seele in einem starren Körper eingeht.

„Seele – läuft“
Wieso die Seele in einem starren Körper eingeht
Von Friederike Weede

panta rhei – alles fließt, so stellte der griechische Philosoph Heraklit seinerzeit fest. Die Erkenntnis, dass das menschliche Sein immer ein Werden ist, das Leben ein ständiger Prozess und die Seele stets in Bewegung, spielt seither immer wieder in Philosophie und Theologie eine Rolle.
Von der christlichen Mystik über den islamischen Sufismus bis hin zu Yoga, weltweit lehren Glaubensrichtungen oder Geistesschulen die Einheit von geistiger und körperlicher Bewegung: das christliche Herzensgebet wird auf den Rhythmus des eigenen Ein- und Ausatmens gebetet, von Pilgern sagt man, sie beteten „mit den Füßen“. Muslimische Mystiker – Sufis – drehen sich beim Trancetanz im Kreis, beim Qigong soll der Fluss des Qi, also der menschlichen Lebensenergie, ungehindert fließen, um Körper und Seele zu neuer Einheit zu führen. Orthodoxe Juden „Schockeln“, schaukeln im Gebet mit dem Oberkörper vor und zurück. Eine fitte Seele regt sich.
„Seele, läuft“ – so könnte man zusammenfassen. Bei vielen aber läuft leider gar nichts. Der moderne Durchschnittsbürger hat ein Problem mit seiner innerlichen Beweglichkeit, seiner „Seelenfitness“, denn er verbringt den Großteil des Tages völlig immobil – im Büro, vor dem Fernseher, am Computer, im Auto. Die Seele in Bewegung halten, das fällt schwer. Ein Marathon senkt zwar den Blutdruck und steigert Fitness und Wohlbefinden, die Seele aber schwingt erst dann mit, wenn Bewegung absichtslos wird, wenn sie um ihrer selbst willen geschieht, wenn alles fließt – panta rhei. Einen solchen Seelenzustand streben viele Läufer, Radler oder Bergsteiger an. Wie Sport erfolgreich zu mehr Seelenruhe verhilft, verrät der Sportbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Martin Voss.
Qigong-Meisterin Maria Reicht aus Rosenheim praktiziert ihre Übungen am liebsten im schnell strömenden Wasser der Mangfall stehend. Das Fließen des Wassers hilft dem Fließen der inneren Lebensenergie auf die Sprünge, sagt sie. Zeitweilig versammelte sie am Zusammenfluss von Inn und Salzach über hundert Menschen zum gemeinsamen Qigong am Fluss.
Eine kleine Bewegung, das stetige Kommen und Gehen des Atems, ist es auch, die das christliche Herzensgebet ausmacht, erklärt die Theologin Doris Zölls, spirituelle Leiterin des Benediktushofes von Zenmeister und Benediktinermönch Willigis Jäger. Denn auch die unio mystica, die Vereinigung der Seele mit Gott, dieses höchste spirituelle Ziel christlicher Mystiker ist kein statischer, sondern ein schwingender Zustand, ein Auf und Ab der Seele. Ob am Münchner Eisbach oder an der rauhen irischen Atlantikküste: Surfern sagt man gemeinhin eine ganz eigene Lebensphilosophie nach. Wer Wellen reitet, kämpft nicht etwa gegen das Element, er bewegt sich mit den Schwingungen des Wassers und antwortet mit seinen eigenen Bewegungen auf die der Natur.

Quelle: © BR2
Ein Podcast von BR2, LINK ZUM ORIGINALBEITRAG

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Ich zitiere diesen Podcast und seine Beschreibung im Zusammenhang mit meiner künstlerischen Arbeit zum Thema „der neue Mensch“.

2019-06-09T18:11:18+00:00