Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho
Oper in einem Akt von Georg Philip Telemann
Hochschule für Musik, Nürnberg
WS 2019/2020: 9 szenische Probentage, 5 Muttersprachen, 2 Arbeitssprachen und 1 deutsche Barockoper

Die Arbeit mit Olaf…
…ist ein Entdecken der Figur. Ein in-die-Bahnen-lenken, ein Suchen, ein Erleben. Keine Angst haben zu müssen, etwas falsch zu machen, wenn die Figur aus sich heraus handelt.
…ist eine Selbstfindung und die befreiende Erkenntnis, den eigenen inneren Konflikt nicht zu unterdrücken zu müssen und auch in der „Extremsituation Bühne“ persönlich zu bleiben.
…hilft, auch im normalen sowie im restlichen beruflichen Leben sich selbst treu und „safe“ zu sein.
…ist eine stets freundliche und offene Kommunikation auf Augenhöhe.
…ist höchste Motivation mit wenigen Worten.
…ist lustig, intensiv und bereichernd.
Felix Groll

Lieber Olaf,
ich bin sehr froh dass ich mit dir die Oper zusammenarbeiten konnte.
Mit deiner Lehre (1.merken Verabreung wie die Noten , 2. einfach genießen auf der Bühne, 3. Konflikt) habe ich auf der Bühne unglaublich wenige Sorge, sondern viel Spaß gehabt.
Als ich erstmal versuchte Konflikt in meine Rolle umzusetzen, war es ,ehrlich gesagt, schwierig. Ich hatte theoretisch verstanden was du meinst, aber bei der Praxis (realisieren) konnte ich mich nicht sicher fühlen. Denn davor habe ich gedacht, nur auf einer Seite genau zu stehen ist richtig sonst nicht falsch aber nicht gut. Wenn ich nicht genau zeigen kann oder ich in der Mitte stehe, dann heißt das ,ist nicht in Ordnung.
Aber ich habe von dir gelernt, dass man jeden eigenen Konflikt, den man zwischen zwei Seiten kriegen könnte, jede Zeit auf der Bühne benutzen kann.
Das heißt, man kann sich trotz der Laune, der Kondition des Konflikt , die man im Konzert haben könnte, auf der Bühne sicher fühlen und sogar mit denen zusammen spielen.
Außerdem konnten wir mit deiner Methode unser eigenes Charakter prägen. Jeder hat in seine Rolle seinen Konflikt reingestellt und damit konnte man das lebende Charakter herausfinden. Das war echt cool. Alle sind nicht langweilig und sonst sehenswürdig.
Es war mir eine neue unvergessliche und wertvolle Erfahrung.
Hyewon Lee

Ich wollte mich herzlich für das Projekt Don Quichotte bedanken.
Erstens: ich habe so viel Spaß gehabt, die Comacho Rolle zu spielen, obwohl ich am Anfang ein bisschen enttäuscht war, weil es klein war. Ich habe mich trotzdem während des ganzen Oper so gefreut zu spielen!!
Zweitens: ich war beeindruckt, wie man nur mit einem „Prinzip“ (hier: Konflikt: helle und Schatten Seiten), eine ganze Inszenierung bauen kann. Das Prinzip war ziemlich einfach, und das Ergebnis war im Endeffekt so lebendig und umfassend.
Ich habe auch viel gelernt, wie man mit Stress umgehen kann, wie es eine Stärke werden kann, statt ein Feind. Wie man diese leisen „Kopfstimmen“ nutzen kann, noch mehr in den Charakter reinzugehen.
Ich muss sagen, dass ich ein bisschen Angst hatte, weil wir die Noten spät bekommen hatten usw – und was mich beruhig hat war, dass innerhalb von 3 Tage, wir hatten schon das Skelett von der Oper gemahlen, und mir war schon klar in welche Richtung wir gehen würden. Danke auch für diese Struktur.
Ich hoffe, ich habe noch die Gelegenheit ein anderes Projekt mit dir zu machen!
Zoe B.

* It would have been an advantage, if the singers could have had some more time to practice the sheet music, before we startet putting the opera into acting. I am aware that this was impossible at this time, because the sheets were sent so late to the Hochschule. This was a shame, because we then couldn’t really act properly for the first two weeks of rehearsal and we therefore lost a lot of time on that account. I also feel that some of the singers, wasn’t aware of how much time they needed to practice the music, before and after rehearsals. Especially the choir parts suffered, because a great part of the singers hadn’t learned their parts properly. This was a shame and a waist of time for the rest who knew the music by heart. But again, maybe it was all because the sheets were sent to us so late, I don’t know.
* Though I was really happy with the drama-part of this process, I would maybe have liked more clarity about the personality of our roles from the beginning. I wasn’t really sure who Quiteria was as character before the end of the process of this opera. I know, that we were very short of time and that we had a Christmas break in the middle of everything, but it could have been nice to try to act as our characters, before singing. Like maybe do the traditional warm-up, but instead of being our selfs, we could be our character? I don’t know. But it would have been nice for me to find Quiterias personality sooner than I did.
* In all, I really felt heard and seen during the whole process and that is something I don’t take for granted. Thank you for that, Olaf. It was so fun to be a part of the development of the characters and I enjoyed being able to through ideas around with you and the other singers along the way. It has been an amazing journey and the team was a funny group filled with lovely personalities and voices – I am very happy that I was selected to be part of this talented group. I hope to be a part of an other production with you again in the future.
Mette N.

Zuerst muss ich sagen, dass die Oper „Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho“ für mich eine gute, schöne Erfahrung war. Es ist meine erste Oper in Deutschland, deswegen kann ich nicht vergessen. Danke dir! Am erste Probe habe ich Angst gefühlt, weil ich nicht gut Deutsch sprechen kann. Aber ich habe gesehen, dass du und Wiebke mir zu halfen.
Ich glaube, Deine Leitung ist sehr interessant. Alle Leute haben Konflikt und Behinderung. Es bringt viel Spaß. Aber wenn ich szenisch machte, ich hatte mehr Erklärung gebraucht. Zum Beispiel Warum rennen, Warum schwingen. Natürlich verstehe ich jetzt. Aber in erste Probe habe ich nicht verstanden und kein Spaß gehabt. Daneben alles sehr klar, sehr schön. Ich bedanke mich bei dir für viel Verständnis, Geduld und mir gute Rolle zu geben. Ich möchte mehr Schauspiel von dir lernen. Danke sehr sehr sehr sehr sehr sehr!
Jaemin Song

Eine heitere Fingerübung auf dem Weg zum ewigen Leben oder zur Freude des Augenblicks?
Tempel der Unsterblichkeit oder Stempel der Unsterblichkeit?
Paradies oder Stigmata?

Don Quichotte singt vom Tempel der Unsterblichkeit, vom Ruhm der Schlachten, von seinem großen Namen. Ganz oben steht er, auf dem Sockel. Fast hat er es geschafft. Ein ewiges Denkmal. Zu Stein geworden. Wirklich ein Denkmal? Oder nicht doch nur ein alberner Spinner auf einer Treppe aus dem Baumarkt?
Sind es Riesen? Oder doch nur Projektionen von Riesen auf die allseits bekannten Windmühlenflügel? Am Ende kämpft Quichotte gegen sich selbst, gegen seine eigenen Bilder, immer und immer wieder. Hoffnungslos blind für sein eigentliches Drama drängt er nach Unsterblichkeit, beispielhaft für menschliches Leben.
Zum Glück ist es nur Don Quichotte. Andere können so Kriege anzetteln, ganze Landstriche verwüsten oder reales Leben töten. Das sind dann Helden der Geschichte. Die Weltpolitik ist voll von tragischen Gestalten auf dem Weg zum Ruuuuuuhm, mit einem Naaaaaamen, im Auftrag des Hiiiiiiimmels. Denkmäler wird man Ihnen errichten – Die Tempel der Unsterblichkeit.

Was für Quichotte ein Tempel ist, ist für Sancho ein Stempel, weshalb er dankend verzichtet. Und doch ist er Diener der ganzen großen Idee, auch wenn Sie noch so idiotisch daherkommt. Er opfert sich gern, wenn auch im permanenten Widerspruch. Sein Stempel ist „Diener der Tempel“. Welchen Sinn könnte er sonst seinem Leben geben? Seine Frau ist es wohl nicht. „Distanzkrüppel“ sagt der Philosoph Sloterdijk dazu.

Und so dreht sich alles im Kreis, also ein sich selbst erhaltender Wahnsinn. Sancho ist zum Glück keine Armee und die Versuchungen des Lebens sind allemal zu schön und keinen Tausch mit einem elenden Heldentot wert. Da ist er ganz der „alte Adam“, der sich nach Luther „nicht ersäufen lässt.“

Verrückt! Telemann schreibt seine kleine lustige Oper in der Zeit der absoluten, gedanklichen Vertikalbewegung, und zwar nach oben. Der Mensch muss etwas werden, etwas aus sich machen, sich entwickeln und am besten hoch hinaus. Kennen wir das nicht alle, als tief internalisierten Glaubenssatz?
Nach protestantischer Lesart (Zeitgeist Telemann) suche ich also in den handelnden Figuren der Oper nach den Prädestinierten. Den Berufenen. Den Besonderen. (Wer mehr wissen will, kann bei Max Weber nachlesen: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“.)
Ich finde aber nur Figuren, die so tun als ob sie die Berufenen wären, sich dazu gänzlich in Gold tauchen. Vollvergolden. Autoritäten. Immer im Stress, immer auf dem Sprung, immer im Werden, nie im Genuss des Augenblicks. Ein Trauerspiel und ein Schenkelklopfer zugleich. So geht es mir auch, sehe ich in die reale Welt außerhalb des Konzertsaales oder in den Spiegel.

Diesem unausweichlichen Drama bewusst, stürze ich mich auf die Freude an der Musik. Am Tanz. Am Gesang. Am Leben. An der Barockmusik Telemanns. So wie das komplette Ensemble und Orchester heute Abend. Wie am Theater üblich, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Dazu laden wir Sie ein.

Ihr
Olaf Rauschenbach