Wer nie um der Liebe willen gelitten hat, der hat auch nie das Glück durch sie erfahren. Freude und Leid waren schon immer mit dem Begriff der Liebe untrennbar verbunden.

Gottfried v. Straßburg

Der neue Mensch; vergessene PfadeAPOKALYPSE LIEBESTOD

(Isolde und Tristan)
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.

Von Aufgabe, Hingabe, Begehren – über Sehnsucht und Eifersucht auf Leben und Tod – hin zur bedingungslosen Freiheit.

Ein Theater – und Filmprojekt für Menschen aller Altersstufen ab 15 Jahren.

Das Thema ist das alles bestimmende, spannungsgeladene Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen, zwischen Frauen und Männern, zwischen den Gegensätzen.
Ist eine sich wirklich gegenseitig bereichernde, ergänzende, fördernde, achtende und gleichberechtigte Beziehung der Geschlechter ohne Langeweile möglich? Wie? Und welche Möglichkeiten entstehen daraus für Dein Leben – für Familie, Gesellschaft und die Erde.

Nur ein Tod und ein Leben, eine Traurigkeit und ein Glück war ihnen gemeinsam gegeben.

Tristan (Vers 11443), Gottfried von Strassburg, 13. Jhd.

Hinter Worten

Schauspielunterricht

Hier kannst Du Dich bewerben und/oder erhältst auf Deine Fragen Antworten zum Schauspielkurs HINTER WORTEN und zum Film- und Theaterprojekt APOKALYPSE LIEBESTOD. Bitte schreibe doch kurz etwas über Dich.

Es folgt hier schrittweise eine Materialsammlung die Input und Ideen zu diesem Thema liefern soll.
Videos, Podcasts, Gedanken, Literatur

Ich danke allen die mir die Möglichkeit geben Ihre Arbeiten an dieser Stelle zur Verfügung zu stellen. Bitte beachte dazu auch die Quellenangaben.

Die Natur ist beseelt, das sieht jeder Mensch. Sie wird von Feen, Nymphen, Faunen und Wassermännern bewohnt, das weiß jede Kultur. Märchen und Mythen benennen Zauberwesen unterschiedlich: Im orientalischen Raum sind es Peris und Dschinns, die hinter der materiellen Welt walten, in irischen Sagen die koboldhaften Leprechauns und böse Gestalten wie die Todesfee Banshee, deren Ruf als Todesbotschaft gefürchtet wird. In den ungarischen Märchen ist es die schöne Fee Ilona, die sich hinter einem Federnkleid verbirgt und sich in einen Sterblichen verliebt. Und in der keltischen Artus-Sage sind es Morgana und Viviane, die die Menschen leiten, lieben, verführen oder dem Untergang weihen. Denker und Forscher erkannten schon im Altertum, dass es sich bei den Zauberwesen um die Projektionen menschlicher Gefühle und Befindlichkeiten handelt. Psychologen des 20. Jahrhunderts wie C.G. Jung und Karl Kerényi kamen zu dem Schluss, dass Mythen als eine Art Lebenshilfe fungieren und dass Naturgeister die elementaren Dinge des Lebens verkörpern: Angst und Hoffnung, Liebe, Sex und Tod. Autorin: Katalin Fischer / Regie: Susi Weichselbaumer

Quelle: © BR2
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Ich zitiere diesen Podcast und seine Beschreibung im Zusammenhang mit meiner künstlerischen Arbeit zum Thema „Der neue Mensch“ Die ewige Wiederkehr.

Hat Medea ihre Kinder getötet oder wurde sie das Opfer einer Rufmordkampagne? Der antike Mythos von der eifersüchtigen Ehefrau des Argonauten Jason erfuhr im Laufe der Jahrhunderte viele literarische Umformungen und Deutungen. Von: Justina Schreiber

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Adam und Eva im Paradies – Gott hätte es doch so gut gemeint. Und trotzdem läuft die Sache schief. Evas Griff nach dem Apfel zerstört den Frieden zwischen Mensch, Natur und Gott und eröffnet die menschliche Geschichte mit all ihren Risiken und Abgründen. Der biblische Schöpfungsmythos hat die europäische Kulturgeschichte zutiefst geprägt und illustriert bis heute das menschliche Verhältnis zu Geschlechterdifferenz, Sexualität und Tod, das Streben nach Erkenntnis und Wissen. Eva wurde zur Mutter der Sünde und zur Mutter der Zeit – und Adam? Für den gelten mildernde Umstände. So einfach und farbig die biblische Geschichte von Adam und Eva sich darstellt, so vielseitig formbar ist sie auch: Spiegel der Grundfragen menschlicher Existenz und aller großen sozialen, geistigen und künstlerischen Umbrüche, Ursprung, der mitgeht, der die Menschen begleitet. So kennen wir den Anfang aus biblischer Sicht. Archaische Kulturen erzählen ganz andere Geschichten davon, wie alles begann: Ein Lachen, das Seen und Flüsse speist, ein Flügelschlag, der die Welt beseelt, Muscheln, aus denen Sonne und Mond aufsteigen oder ein Welt-Elternpaar, aus dessen Umarmung Himmel und Erde entstehen. Voll Anmut und Poesie präsentieren sich die zahlreichen uralten Weltentstehungsmythen. Autorin: Brigitte Kohn / Regie: Irene Schuck

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Kali ist die indische Göttin des Todes und der Zerstörung und zugleich die verehrte Mutter, Verkörperung göttlich weiblicher Urenergie, gütige Lebensspenderin und Schöpferin. Wie geht das zusammen? Autor: Frank Halbach

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Ein Lachen, das Seen und Flüsse entstehen lässt, ein Flügelschlag, der die Welt beseelt, Muscheln, aus denen Sonne und Mond aufsteigen: Voll Poesie präsentieren sich die alten Weltentstehungsmythen. Autor: Reinhard Schlüter

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Die Suche nach Resonanzerfahrung
Sehen mit dem Herzen, sprechen mit der Seele
Von Friederike Weede

Verlieren wir im Zuge der Digitalisierung unseren zwischenmenschlichen Kontakt? Netzoptimisten verneinen das, soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste seien nur eine zusätzliche Erweiterung unseres Kommunikationsspektrums. Allerdings sehnen sich viele Menschen zunehmend nach direktem, unverfälschtem Austausch mit der Welt und den Mitmenschen, danach, sich selbst als Teil eines größeren Netzwerks wahrzunehmen. Nach Erfahrungen von Intimität, die das Herz unmittelbar ansprechen und die Seele zum Schwingen bringen. „Was Du einem der Geringsten unter meinen Brüdern getan hast, das hast Du mir getan“ – diese goldene Regel im Zentrum nahezu aller Weltreligionen ist Ausdruck der Erfahrung, dass Gottesbegegnung, die Begegnung mit dem Heiligen, immer in der Begegnung mit dem Nächsten stattfindet. Dass der Austausch von Ich und Du, das dialogische Prinzip, unser ganzes Dasein bestimmt, wie es der Philosoph Martin Buber in Anknüpfung an jüdische und christliche Mystik formuliert. Aber kann der Nächste im Zweifelsfall auch ein Mensch am anderen Ende des Landes sein, ein Hund, eine Pflanze, oder sogar eine handvoll Lehm? Im Netz versuchen Fans des Phänomens „Autonomous Sensory Meridian Response“, mit Flüsterbotschaften per Video, ein überiridisches Kopfkribbeln auszulösen. In Wildnisschulen gehen Menschen in der Natur mit Baum und Tier auf Tuchfühlung. Beim spirituellen Töpfern richten sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf das scheinbar leblose Element Erde auf der Suche nach Resonanzerfahrungen.

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Himmlische Geburten
Die vorchristlichen Wurzeln der Weihnachtsgeschichte
Von Friederike Weede

Und der Engel sagte zu Maria: „Fürchte dich nicht. Du wirst ein Kind bekommen, einen Jungen.“ Den Rest erzählt der Evangelist Lukas in der Weihnachtsgeschichte: Der Messias wird geboren von einer Jungfrau zur Erlösung der Menschheit. Allerdings, so einzigartig ist die Weihnachtsgeschichte gar nicht. Die Geburt des göttlichen Erlösers in Gestalt eines Kindes durch eine Jungfrau, im Alten Orient gab es zahlreiche Vorläufer für diese Story. Und auch der Evangelist Lukas griff auf ältere Mythen und Motive zurück, als er dem Engel Gabriel seine Prophezeiung in den Mund legte. Friederike Weede hat recherchiert, was die Jungfrau Maria mit der ägyptischen Göttin Isis zu tun hat oder Jesus mit dem persischen Zarathustra. Und warum es trotzdem, oder gerade darum, Sinn macht, alle Jahre wieder Weihnachten zu feiern.

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Jungfräulichkeit: Ist das Schnee von gestern, nur noch peinlich? Oder doch ein Modell weiblicher Stärke und Selbstbestimmung? Vielleicht von allem etwas. Aber auf alle Fälle mehr als Hymenterror, Frömmelei und Fundamentalismus.

Jungfrau und Jungfräulichkeit, wie klingt das denn bitte? Taufrisch jedenfalls nicht. Eher verstaubt, altmodisch, abgestanden. Auf jeden Fall wie etwas, auf das wir achselzuckend, vielleicht aber auch verstört, verschämt oder ganz einfach nur ratlos reagieren. Möglicherweise machen uns die Reizworte sogar zornig: Weil sie so unerträglich nach Frömmelei und Fundamentalismus, nach unterdrückter Sexualität, nach Männerherrschaft und Frauenopfer, nach Hymenterror und Bettlakenschnüffelei, nach Unbeflecktheitswahn oder gar Ehrenmord und Genitalverstümmelung schmecken.

Ein Thema mit vielen Facetten

Aber lohnt es sich wirklich, mehr als ein beiläufiges Stirnrunzeln in ein Phänomen zu investieren, das so gar nicht mehr in unsere Zeit zu passen scheint? Was ist schon groß dran: Eine Jungfrau ist eine Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. Das war es dann, Punkt! Oder doch nicht? Gibt es über die nüchtern-medizinische Feststellung hinaus vielleicht doch Aspekte, die unsere Aufmerksamkeit verdienen, die uns staunen und sehen, die uns mehr begreifen und verstehen lassen? Die gibt es. In Hülle und Fülle!

Selbstbestimmung und Männerherrschaft

Kultur-, religions- und gesellschaftsgeschichtlich betrachtet, ist der „Mythos Jungfrau“ ein hochspannendes Phänomen mit einer überraschenden Bandbreite unterschiedlichster Erscheinungen, Deutungen und Funktionen. Die Jungfrau ist jedenfalls mehr als nur die, die keinen oder noch keinen Mann abgekriegt hat. Im Gegenteil. Sie steht in Vergangenheit und Gegenwart für weibliche Stärke, Widerstandskraft und Unabhängigkeit. Das ist die eine Seite, die strahlende. Die andere Seite ist das Bestreben, die Herrschaft über das Hymen als Herrschaft über den weiblichen Körper zu installieren: Der Jahrtausende währende Versuch, im Lobpreis der Jungfräulichkeit die Sexualität und die Selbstbestimmung der Frau zu kontrollieren und zu unterdrücken. „Jungfräulichkeit“, so fasst es die Kulturwissenschaftlerin Anke Bernau zusammen, „kann vieles bedeuten, aber harmlos oder unschuldig waren und sind diese Bedeutungen nie“.

Von: Simon Demmelhuber / Sendung: Antje Dechert

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Die ersten Schöpfungsmythen bezogen sich nicht etwa auf eine Vatergottheit. Muttergottheiten als Gebärerinnen und Herrinnen des Lebens wurden verehrt. Auch bei den Frühgriechen wurde z.B. Leda, die Schwanenjungfrau, Gegenstand der Anbetung. In den Anfängen des alten Ägyptens herrschte zunächst Mutterrecht in Gestalt der Königinnenmutter Isis.

Aber auch hier kam es später zu einer Hinwendung zu einer eher männlich geprägten Religion. Infolge einer Veränderung der Wirtschaftsform und durch die Arbeitsteilung trat vor etwa 6.000 bis 5.000 Jahren ein allgemeiner Wandel ein: Die Hinwendung zu männlichen Gottheiten und damit auch zum Patriarchat. Das hatte freilich seinen Preis: Waren matriarchalische Gesellschaften vermutlich durchweg friedfertiger im Umgang mit Mensch und Natur, so ist in patriarchalischen Kulturen eine gewisse Aggressivität nicht zu leugnen. Unsere heute weltweit dominierende westliche Lebensform geht sicherlich auf diese Denkmuster zurück.

Von: Christian Feldmann

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Erst Hure, Sünderin, Besessene – dann fromme Büßerin und Heilige? Oder doch die heimliche Geliebte Jesu, Mutter seiner Kinder, Hüterin des Grals? Weder noch! Maria Magdalena ist nichts von alledem. Und doch ist die Suche nach ihr spannender als jeder Krimi.

Die Maria Magdalena der katholischen Tradition, die Sünder- und Büßerheilige der Legende, die reuige Dirne hat es nie gegeben. Sie ist ein Kunstprodukt, ein Mischwesen, zusammengesetzt aus mehreren Marien in den Evangelien, vermengt mit namenlosen Frauen im Umkreis Jesu, überwuchert von allegorischen Deutungen und exegetischer Instrumentalisierung. Diese Klitterung von Tatsachen, Behauptungen und purer Fabelei ist kein Versehen, sondern Kalkül. Eine immer stärker von Männern dominierte Amtskirche wollte nicht wahr haben, was Jesus vorlebte, die Evangelien überliefern und das Urchristentum ganz selbstverständlich verwirklichte: die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Damit die Männer obenauf kommen und bleiben konnten, mussten die Frauen hinunter: in den Sumpf der Sünde, in den charismatischen Exodus, ins Schweigen der Bedeutungslosigkeit. Maria Magdalena, die emblematische Büßerin wurde zur Schlüsselfigur dieses Prozesses. Sie büßt stellvertretend für alle Frauen, stellvertretend für ihr Geschlecht und die Geschlechtlichkeit generell. So ist die männliche Kreation der Kunstfigur Maria Magdalena ein bis heute nachwirkendes Beispiel für den Versuch, sie und mit alle Frauen aus dem Zentrum der Verkündigung an den Rand der Kirche abzudrängen.

Von: Simon Demmelhuber / Sendung: Imogen Rhia Herrad

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Von der Schöpfergottheit zum Dämon: Die Geschichte eines Ursymbols

Angst vor Schlangen? Keine Sorge, das ist normal. Die meisten Menschen fürchten sich vor den unheimlichen Reptilien. Ihre heimtückischen Blitzattacken, ihr lautloses Anschleichen, ihr verborgenes Lauern, ihr starrer Blick und ihr giftiger Biss jagen uns Schauer über den Rücken. Und dieses Gefühl ist nicht anerzogen, sondern durch die Evolution in unseren Gehirnen verankert. Das behaupten zumindest zwei Forscher der amerikanischen University of Virginia. Weil Schlangen eine reale Gefahr für den Menschen sind, haben wir gelernt, sie instinktiv zu meiden.

Die überschätzte Gefahr

Schön und gut. Aber wer von uns ist tatsächlich schon einmal einer Schlange in freier Wildbahn begegnet, wer gebissen worden? Wohl die wenigsten. In unseren Breiten geht von Schlangen keine wirkliche Bedrohung aus, und auch global hält sich das Risiko in Grenzen. Weltweit sterben etwa 100.000 Menschen pro Jahr an Schlangenbissen. Verdorbene Lebensmittel fordern jährlich rund zwei Millionen Menschenleben und etwa 1,5 Millionen Todesfälle gehen auf das Konto unscheinbarer Pilzinfektionen. Fürchten wir uns deshalb vor Lebensmitteln oder Pilzen? Halten wir Pilze für böse, teuflisch und dämonisch? Machen wir Pilze für den Sündenfall verantwortlich? Nein, aber wir fürchten uns vor Schlangen.

Schlangenangst: Ein kultureller Lerneffekt

Um die Fakten geht es dabei offensichtlich nicht. Worum geht es dann? Wahrscheinlich tatsächlich um einen Lerneffekt. Aber dieser Lerneffekt ist weder natürlich und evolutionär, sondern kulturell gegründet. Wir haben gelernt Schlangen zu fürchten, weil wir sie seit zwei Jahrtausenden systematisch dämonisieren: als Verkörperung des Teufels, als Ausgeburt der Hölle, als Boten der Apokalypse. Auf Gemälden, in Büchern, Predigten und Erzählungen haben sie solange ihren Rachen aufgerissen, uns verfolgt, heimgesucht, bedrängt, verschlungen und ins Verderben gerissen, bis unser Unterbewusstsein gar nicht mehr anders konnte, als Abscheu, Ekel, Entsetzen und buchstäblich Todesangst zu empfinden.

Die Vertreibung der Schlange aus dem Paradies

Doch das war und ist nicht immer und nicht überall so. In alten Mythen verkörperten Schlangen göttliche, heilsame und schützende Kräfte. Sie standen zeit- und kulturübergreifend für die guten Aspekte der Schöpfung, für Fruchtbarkeit, ewige Erneuerung, Lebendigkeit, Weisheit. Sie wehrten Unheil ab, repräsentierten das mütterliche Wesen der Erde, gebaren den Kosmos, den Himmel und die Menschheit, waren Träger geheimen Wissens, wurden selbst als Gottheiten verehrt. Die Furcht, die sie bei aller Verehrung stets auch auslösten, keine Angst, sondern Ehrfurcht: ein Gefühl zwischen Faszination und Schrecken, das den Menschen in Gegenwart des Heiligen überfällt.

Tod und Geburt, Leben und Erneuerung: Das Doppelgesicht der Welt

Im Laufe der Zeit haben Schlangen für alles und das Gegenteil herhalten müssen. Sie waren Götter und Dämonen, Schutz und Bedrohung, Heilung und Verderben, sie hüteten den Garten der Hesperiden und verdarben den Garten Eden. Die Schlange war von Anfang an da. Sie war mit uns jung und ist mit uns alt geworden. Sie hat uns auf dem Weg unserer kulturellen Evolution begleitet: als Indikator unseres Natur- und Menschenverständnisses, unserer religiösen Konzepte und ihres Wandels. Der Blick auf die Schlange ist daher immer auch ein Blick auf uns selbst und führt tief hinein in das Wesens des Menschen und das Bild, das wir von der Welt entwerfen.

Von: Simon Demmelhuber / Sendung: Geseko von Lüpke

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Geheimnis der Mythen – Metaphern von Ursprung und Wandel
Autor: Geseko von Lüpke / Regie: Eva Demmelhuber
Wir kennen sie als Schöpfungserzählungen vom Anfang der Zeit, antike Götter-Legenden, eigenartige Erzählungen mit rätselhaften Bildern voll suggestiver Kraft, die uns emotional tief erfassen: die Mythen der Welt. Zu allen Zeiten entstanden in allen Kulturen der Welt Geschichten über die Geheimnisse des Lebens, die dem Individuum Orientierung und Sinn gaben und seine persönliche Biographie anbinden sollte an die Geschichten von Göttern und Helden, Drachen und Ungeheuern, Weltbildern und Religionen. Mythen sind keine normalen Geschichten, sondern ineinander verschlungene Metaphernströme, die voller Widersprüche sein können, aber immer zeigen, dass Wandel möglich ist. Sie liefern den Menschen Symbole und Modelle für eigene Konflikte, Übergänge und „Drachenkämpfe“. Dabei sind Mythen faszinierend und gefährlich zugleich. Sie sprechen das Unterbewusstsein an, können leicht missbraucht werden und zu politischem und religiösem Extremismus und Fundamentalismus führen. Zugleich kann der Verlust von Mythen in der modernen Welt zu Sinnverlust und Oberflächlichkeit führen. Heute kennen wir Mythen fast nur noch aus dem Kino und der Literatur. Doch wir müssen ihr Geheimnis, ihre Kraft, Schönheit und Gefahr kennen, um nicht zu ihrem Opfer zu werden.

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Mit verändertem Weltverständnis Zukunft neu erzählen
Die Suche nach einer neuen Geschichte des Menschseins
Von Geseko von Lüpke

Die moderne Welt basiert auf einer bis zu 3.000 Jahre alten Schöpfungserzählung, die – vielfach missverstanden – in die menschliche Beherrschung der irdischen Biosphäre mündete und zur Trennung zwischen Natur und Mensch geführt hat. Sie steht für ein von der Naturwissenschaft dominiertes Weltbild, dass unsere Existenz als zufällig, weitgehend sinnlos, vom größeren Ganzen abgetrennt, auf Konkurrenz und Kampf aller gegen alle erklärt. Dieses Weltbild hat eine Realität der Naturzerstörung und sozialen Spaltung geschaffen, welche die Menschheit heute mit der akuten Gefahr der Selbstzerstörung konfrontiert. In dieser Situation entstehen aber weltweit zahlreiche Versuche, die Rolle des Menschen ganz neu zu verstehen und eine „Neue Geschichte“ des Menschen zu formulieren, die als ethische Grundlage für eine Kultur der Zukunftsfähigkeit wirken soll. Daran beteiligt sind Philosophen, Theologen und Geisteswissenschaftler, aber auch Physiker, Biologen und Kosmologen.

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Der Hofnarr – Legende und Wahrheit
Autor: Johannes Munzinger / Regie: Christiane Klenz
Der Hofnarr war nicht zu übersehen. Er trug ein zweifarbiges, eng anliegendes Gewand – häufig gelb und rot; auf dem Kopf die Kappe mit den Eselsohren und den Schellen, die ihn schon von weitem ankündigten. Die Kleidung folgte eindeutigen Standards, denn der Narr war immerhin eine Art Beamter. Wenn auch ein besonderer. Und er trug sogar einen Herrscherstab, wie der König sein Zepter. So beginnt der Hofnarr seine Karriere im hohen Mittelalter – als Gegenbild des Königs. Er soll dem Herrscher dessen eigenes Gegenteil vorführen, ihn mit seiner bloßen Anwesenheit daran erinnern, dass Gut und Böse eng beieinander liegen und dass auch der Mächtige stets Gefahr läuft, selbst zum Narren zu werden. Meist haben diese „natürlichen Narren“ eine geistige oder körperliche Behinderung, durch die sie in der sozialen Ordnung des Mittelalters keinen regulären Platz finden. Erst im späten Mittelalter werden Hofnarren als „künstliche Narren“ gezielt auf ihre Schlagfertigkeit hin im Volk gesucht und manchmal direkt von der Weide wegengagiert. Erst jetzt – schon am Ende seiner Karriere – wird der Hofnarr zu dem frechen satirischen Schelmen, als der er heute bekannt ist.

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Trans*menschen und die Medizin – Forschung und Vorurteil
Autorin: Elsbeth Bräuer / Regie: Rainer Schaller
Trans*menschen galten lange als krank, ohne krank zu sein. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie schwierig das Verhältnis zur Medizin war. Einerseits unterstützten und beschützten Ärzte ihre Patienten und Patientinnen. Fortschritte in der Forschung – etwa zu Hormonen oder geschlechtsangleichenden Operationen – halfen diesen dabei, die eigene Identität auch nach außen hin zu leben. Andererseits war die Medizin selbst lange Zeit von Vorurteilen und falschen Vorstellungen geprägt. So beschrieben Ärzte Trans*menschen häufig als pervers oder instabil oder setzten sie mit Homosexuellen gleich. Als „Gatekeeper“ des Gesundheitssystems brachten Ärzte Trans*menschen auch unter ihre Kontrolle und in eine Abhängigkeit. Bis heute gibt es immer wieder Diskriminierung im Gesundheitswesen. Doch das Bild hat sich stark gewandelt: Trans* zu sein, das ist mittlerweile bekannt, ist keine Krankheit – sondern eine Identität.

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Der Zölibat – Ehelosigkeit für Gott?

Am Zölibat scheiden sich die Geister. Für die einen ist er ein Geschenk Gottes für die anderen eine Verletzung der Menschenwürde. Doch was ist der Zölibat wirklich, woher kommt er, warum gibt es ihn und wie ist er entstanden? Von Andreas Hauber

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23 Min. | 1.7.2020

VON: Andreas Haube

Erotik und Glauben? – Lust und Liebe in den Weltreligionen

Religion und Erotik? So lustfeindlich sind die Religionen oft gar nicht, schaut man genauer hin. Eine sinnliche Spurensuche nach Lust, Liebe und die oft versteckte Erotik in den verschiedenen Religionen. (BR 2012) Von Christian Feldmann

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Yoga – Denken mit dem Körper Autor: Fabian Mader / Regie: Eva Demmelhuber
Einatmen – ausatmen: Allein in Deutschland sollen inzwischen rund drei Millionen Menschen regelmäßig Yogaübungen absolvieren. Die Branche und das Geschäft florieren – dabei ist Yoga mehr als esoterische Weltflucht. Die Bewegung – und Atemtechnik basiert auf einer rund 5.000 Jahre alten Ethik aus dem alten Indien, gesammelt in den sogenannten Veden. Yoga ist in Bewegung übersetzte Philosophie, ihre Ziele sind Gotteserkenntnis und eine ausgeglichene Seele. Und es gibt Anknüpfungspunkte zur altgriechischen Philosophie, etwa zur Ethik der Stoa, und zu deren Gegenspieler, den Epikureern. Was anderes meinte Epikur, als er den idealen Zustand der Seele als eine spiegelglatte Meeresoberfläche beschrieb? Im Gegensatz zur europäischen Tradition soll dieses Ziel aber niemals in Opposition zum Körper, sondern durch eine Verschmelzung des Körpers mit dem Geist erreicht werden. Was also sind die philosophischen Quellen des Yoga? Und wie ist Denken mit dem Körper möglich?

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Wie Gott uns schuf – Nackt, natürlich, entblößt?

Wer sich wo wann nackt fühlt, ist kulturell bedingt. Nackte Haut kann als Befreiung oder Demütigung verstanden werden. Unser Verhältnis zum nackten Körper hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt. Wo stehen wir heute? Von Silke Wolfrum

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Misogynie – Die Abwertung des Weiblichen

Misogynie hat viele Gesichter – und eine lange Geschichte. Seit der Antike wurde die Frau als unvollkommenes, defizitäres Wesen betrachtet, heute nimmt der Frauenhass gerade starke Frauen ins Visier. Von Beate Meier Frankenfeld

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Makel Mensch
Von Martin Zeyn

Ein Mensch ohne Scham ist ein Problem. Wir alle kennen sie, die feuchten Hände, die geröteten Wangen, die gebrochene Stimme. Gleichzeitig wissen wir von der Scham sehr wenig. Die Ethnologen führen einen erbitterten Streit darüber, ob sie angeboren ist oder doch eine Ausprägung menschlicher Kultur. Aber vielleicht ist genau diese Unklarheit, diese Grauzone die Kraftquelle dieses extremen, oft toxischen Gefühls. Weil wir nicht wissen, wie und wann die Scham zuschlägt, deswegen kann sie uns hinterrücks übermannen. Und was, wenn wir die Scham unter ein Mikroskop legen, wenn wir sie aufs genaueste analysieren? Wird dann alles besser? Oder geraten wir dann nur noch tiefer ins Labyrinth, das die Scham um sich errichtet hat?

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Pina Bausch – Revolutionärin des Tanztheaters
Autorin: Katharina Hübel / Regie: Frank Halbach
Pina Bausch selbst hätte sich vermutlich nicht als Revolutionärin bezeichnet. Vielmehr als Suchende. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 suchte sie als Begründerin und Choreographin des Tanztheaters Wuppertal beständig mit ihrem Ensemble nach authentischen, unverbrauchten Bewegungen, neue Formen für choreographierte Emotionen. Um diese zu finden, stellte Pina Bausch ihren Tänzern in intensiver, langwieriger Probenarbeit Fragen. Die Tänzer konnten antworten – mit Worten oder Bewegungen. Damit hob Pina Bausch die Hierarchien auf, die es bis dahin in Tanzkompanien gab, machte ihre Tänzer zu Mitgestaltern. Die Wirkung beim Publikum in den frühen Siebziger Jahren, das klassisches Ballett erwartete: verheerend. Tänzer humpelten hüstelnd über die Bühne – Kunst konnten darin erstmal wenige erkennen. Pina Bausch hatte zunächst im Ausland großen Erfolg, wurde weltweit als Geheimtipp gehandelt. Bis auch in Deutschland Pina Bausch und ihre charismatischen Tänzer zum Publikumsmagnet wurden – und es schließlich schwierig bis unmöglich wurde, überhaupt Karten für eine der Vorstellungen zu ergattern. Pina Bausch erzählte von den Menschen in ihrer Verschiedenheit. Ihr Ensemble war dementsprechend bunt zusammengewürfelt mit kleinen Männern, großen Frauen, Tänzern jeder Hautfarbe, jeden Alters. Und doch verband sie alle eines: die universelle Sprache der Gefühle.

Pina Bausch – Revolutionärin des Tanztheaters
Autorin: Katharina Hübel / Regie: Frank Halbach
Pina Bausch selbst hätte sich vermutlich nicht als Revolutionärin bezeichnet. Vielmehr als Suchende. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 suchte sie als Begründerin und Choreographin des Tanztheaters Wuppertal beständig mit ihrem Ensemble nach authentischen, unverbrauchten Bewegungen, neue Formen für choreographierte Emotionen. Um diese zu finden, stellte Pina Bausch ihren Tänzern in intensiver, langwieriger Probenarbeit Fragen. Die Tänzer konnten antworten – mit Worten oder Bewegungen. Damit hob Pina Bausch die Hierarchien auf, die es bis dahin in Tanzkompanien gab, machte ihre Tänzer zu Mitgestaltern. Die Wirkung beim Publikum in den frühen Siebziger Jahren, das klassisches Ballett erwartete: verheerend. Tänzer humpelten hüstelnd über die Bühne – Kunst konnten darin erstmal wenige erkennen. Pina Bausch hatte zunächst im Ausland großen Erfolg, wurde weltweit als Geheimtipp gehandelt. Bis auch in Deutschland Pina Bausch und ihre charismatischen Tänzer zum Publikumsmagnet wurden – und es schließlich schwierig bis unmöglich wurde, überhaupt Karten für eine der Vorstellungen zu ergattern. Pina Bausch erzählte von den Menschen in ihrer Verschiedenheit. Ihr Ensemble war dementsprechend bunt zusammengewürfelt mit kleinen Männern, großen Frauen, Tänzern jeder Hautfarbe, jeden Alters. Und doch verband sie alle eines: die universelle Sprache der Gefühle.

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Ein Artikel von Rotraud Kerner im Heft 1/2020 der Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e. V.
mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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Einladung zum Gewahrsein des matriarchalen Hintergrundfeldes

Ein Artikel von Steffi Bednarek im Heft 1/2020 der Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e. V.
mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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Wie weit ist das Feld? Gestalttherapie, Kapitalismus und die natürliche Welt

Der Körper ist kein Schicksal mehr, sondern eine Frage des Gestaltungswillens. Fitness als perfektes Werkzeug, um einen optimalen Körper zu erschaffen. Denn es gilt konkurrenzfähig bleiben. Oder den Körper ganz zu überwinden. Selbst im Radio nicht die leichteste Übung.
Von: Stephanie Metzger / Sound: Nile Koetting/Mona Vojacek Koper als Stimme von Ava

Körper als Weiblichkeitsprothese

Am Anfang klingt Shelly ganz sanft, fast zart. Bis die Musik anfängt. Mit dem Beat und den Trainingsanweisungen auf Englisch wird Shelly strenger, aber nicht unfreundlich. Auch dann wollen die Körperbilder, die ihre Stimme im Kopf provozieren, so gar nicht zu dem passen, was Shelly über ihren Körper erzählt. Dass sie schon unzählige Schönheitsoperationen an sich durchgeführt hat. Dass sie injiziert hat, gespritzt, aufgeschnitten, abgesaugt, geshaped, trainiert, enhanced. Weil sie ihren Körper als Design begreift. Und ihn als Weiblichkeitsprothese nutzt. In dieser Gestalt komme sie leichter an Informationen, die ihr helfen, ihren Körper weiterzuentwickeln. Denn das will Shelly, ihren Körper entwickeln, aufrüsten, updaten. Und frisch halten. Da ist sie altmodisch. Körperlosigkeit, z.B. als Software, ist nicht ihre Utopie. Obwohl sie im Radio eigentlich im geeigneten Medium dafür wäre. …

Quelle: © BR2
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Poetische Vorlagen sind u.a. „Isolde und Tristan“, der Abschlussmonolog von Anna Livia Plurabelle aus „Finnegans Wake“ von James Joyce, „Skiniers Reise“ aus der altisländischen Edda, „Innanas Gang in die Unterwelt“ der Sumerer , „Lysistrata“ von Aristophanes, Stücke von Elfriede Jelinek u.a.

DEINE TEXTE, GEDANKEN, ERLEBNISSE