Heldentum ist innerlich: in uns wird überwunden oder nirgendwo.

Heinrich Zimmer

Der neue Mensch; vergessene PfadeDIE EDDA

Wütendes Spiel der Unvollkommenen Midgards!

Der geheimnisreiche Abstieg, hinauf zum Anfang der Zeit – zum menschlichen Herz im Konflikt mit sich selbst. Mythologie erleben, dort wo sie entsteht – im Kampf mit dem Feuer der Gefühle. Kultur schöpfen. Kultur vernichten. Ewiges Scheitern. Ewiges Erwachen. Ewiger Neubeginn.

Mit Gong, Didgeridoo und Schamanentrommel zelebriert der verrückte Mythmaker Gandre Heid, den Weltuntergangsmythos der nordischen Mythologie.

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Inhaltsbeschreibung:

Poesie des Scheiterns

Gandre Heid zelebriert den heilsamen Weltuntergang der nordischen Mythologie: Scheitern und Neubeginn. Gandre Heid ist Joker, Clown, Narr, Trickster. Ein Unheilskundiger, ein Satan. Der Minotaurus aus Hyperborea. Ist queer, anarchistisch, konventionslos – ist Seherin und Zauberer, ist Punk. Ein Reisender zwischen den Welten auf vergessenen Pfaden. Der verkörperte Gegensatz, ist göttliche Zerstörung, ist Konflikt, Spaltung und Einheit. Ya evam veda.

Die Edda – das sind im Moment des Sieges der christlichen Erlöseridee schriftlich festgehaltene Texte, einst wirklich gelebter Überlieferungen. Doch  befreit von zahllosen Umdeutungen einer Heldengeschichtsschreibung die nur Sieger und Besiegte kennt, offenbart sich eine andere, eine vergessene Welt. Midgardschlange, Riesinnen, Fenriswolf, Schicksalsbrunnen, Walküren – poetische Bilder voll Lebenskraft und Zerstörung. Sehen wir vermeintliche Ungeheuer in ihrem wahren Wesen, leben das gewaltige Ragnarök (Weltuntergang) und halten Hochzeit mit Erde und Himmel. Feiern wir Geburt, Leben, Liebe, Tod.

In matriarchalen Kulturen ist der Weltuntergangsmythos das zentrale Leben erneuernde Element. Der Neubeginn wird möglich, durch ein alles egalisierendes Chaos. Zu den Sonnenwendritualen nimmt sich die Erde einen neuen König – die Frau einen neuen Mann.
Die Erde ist Göttin. Die Frau nicht weniger. Mann ist König um zu sterben. Den Liebestod.
Opferrituale.

Dieser Weltuntergangsmythos bildet zugleich das Kernstück der Heldenmythen in nachfolgenden patriarchalen Kulturen. Ihr kennt das als Monomythos. Der Kampf zwischen Bewahren und Entwickeln, angefacht durch das Feuer der Kultur, der Gefühle. Die Göttin ist nun Seelenführerin, der Held ihr selbstbestimmter Herr stirbt innerlich symbolisch. Er kann männlich sein oder weiblich. Held. Heldin. Niemand wird mehr geopfert in unserer zivilisierten Welt. Wirklich?

Gandre Heid findet sich wieder, in den schamanischen Traditionen indigener Völker und Ihren einander wesensverwandten Mythen.
Ein Baum – das Bühnenbild; die Wiese herum – der Zuschauerraum; Sonne, Wind und Regen. IM ZENTRUM DER WELT. Im Angesicht der weit geöffneten Tore in das ZEITLOSE:

Im Ostenkeimendes Leben aus ewiger Urleere ohne Ende und Grenze. Dem weitem Wasser entsteigen Riesinnen, Bäume, Berge, Wesen. Von Süden her wärmt Sonne uralten Fels. Erweckt Kinder. Grünes Gras auf immer fruchtbaren Böden. Licht gibt Gestalt, Farbe, Energie und Schatten. Menschen schöpfen Götter. Götter schöpfen Menschen. Beide Dämonen. Tatkraft herrscht im Westen. Alles erhält Namen, Zahl, Geist, Verstand, Aufgabe. Gegensätze treten zu Tage. Schicksale erfüllen sich. Erschaffen, Kämpfen, Betrügen, Stehlen. Trennung. Spaltung. Oben und Unten. Hell und Dunkel. Gut, Böse – Charakterstarre. Schattenwelten. Geordnete Welt.
Doch verbannte Ungeheuer sprengen Fesseln, wenn Tag und Nacht sich treffen, wenn Hell und Dunkel miteinander verschmelzen, wenn Geschlechter einander berühren, wenn des Traumes Stimme jede Vernunft verführt – dann wird Mann zur Frau und Frau zum Mann – beide Beides. Sackgasse der Gegensätze – Arena eines gigantischen Schauspiels: Der Mythos – heiliger, heftiger, ewiger Augenblick der InWelt des Menschen. Himmel und Erde halten Hochzeit, schenken ALLEN Wesen Freiheit. Vereinigung. Kampf. Das Ende im Norden, der Sonne fern im Liebestod – weise, sinnlich, heftig, stürmisch, orgiastisch, gewaltig, friedlich auch, zärtlich. Respektvoll. Jedes ICH ausgelöscht.

Die Sonne versinkt im Meer. Alles verdunkelt sich. Erde und Himmel gehören einander. Frieden. Traum. Urzeit ist. Kein Ende, keine Grenze.

Eine Tonaufnahme zum Vorhören:

Der Trailer zur Vorstellung am 15.08.2020

Spieldauer: 65 Minuten / Ort: Weidenbühne Weilheim / Termine und Tickets unter Spielplan

Zuschauerstimmen:

… sehr intensiv, dicht … / … wirklich Schauspielkunst die mich tief erreicht hat … / … da ist was drin vom lebenden Mythos. Ich verstehe zwar nur wenig vom Inhalt und bin doch komplett gefesselt, beeindruckt … / … ein Ritual der Dunkelheit. wolltest Du das?… / … irgendwie tolle Sprache und dazu faszinierende Didgesoli … / … irritierend tiefe Show und eigenwillige Interpretation der Edda … / … Abgefahren! Sowas kann wohl nur von diesem Künstler kommen, nach dem was ich von ihm gesehen habe. Diese Edda lohnt sich …

Der neue Mensch, vergessene Pfade, Die Edda

Wir kennen zwar die Geschichte, kennen die historischen Wurzeln, aber dass das alles heute in uns drinsteckt, das vergessen wir und glauben wohl eben darum, aktuell nichts machen zu können. Doch wir werden noch immer weder für den Kapitalismus, noch für bestimmte Technologien, noch für das Patriarchat geboren.

Rudolf Bahro
die edda