III. / Heldentum ist innerlich! 2019-05-16T14:47:01+00:00

Project Description

Heldentum ist innerlich!

Wie gehe ich mit mir um? Wie mit anderen? Welchen Raum gebe ich der erwachenden, fragilen Phantasiewelt und wie schütze ich ihre Wesen vor dem Streben nach dem “Neuen Menschen”, dem “neuen Adam”? Jenem unerreichbaren Menschideal unserer überheblichen Kulturgeschichte? Wie gestalte ich meine Existenz auf dieser Erde? Wie schütze ich die Erde vor unserer Kultur? Jede gesellschaftskritische, inszenierte Attitüde ist wertlos, forme ich doch weiter für mein wahres Wesen, ein schützendes, aufgeblähtes ICH mit all seinen Auswirkungen auf mein effektives Handeln. Ist das denn wirklich heldenhaft?

“Es ist vollbracht,
[…]
der Held aus Juda siegt mit Macht
und schliesst den Kampf.
Es ist vollbracht.”[1]

Besinge und bestaune ich die Heldentat als begreifbare, stattgefundene, abgeschlossene Geschichte, die ich mir seitdem für mein Seelenheil nützlich erklären kann? An die ich mich zyklisch oder bei Bedarf beruhigend erinnern kann? Dann hat Jesus tatsächlich mit seinem Tod, die Sünden aller Zeiten der Welt auf sich genommen und sie damit entlastet. Vielleicht auch entmündigt? Oder singe ich unbegreiflich von mir, dem immerfort tobenden Kampf der Figuren des Mythos als einen unergründlichen Teil meiner selbst? Dann trage ich selbstverantwortlich meine Last.

“Die seltene Erscheinung des wahren Helden tritt über den Horizont, der keiner Götterhilfe, keiner Zauberwaffen bedarf, der nicht erbebt wo alle zittern. […] Aber was er Einziges, Unerhörtes ist, vermag er einzig aus sich selbst. […] Heldentum ist innerlich: in uns wird überwunden oder nirgendwo.”[2]

Den Schlüssel für diese unser aller Welt, hält wohl jeder Einzelne selbst in seinen Händen, denn jeder einzelne ist der Mythos. Jeder Mensch ist ein Kunstwerk. Du musst nur einmal Deinen Foolsdance[3], Deinen Narrentanz getanzt haben und Du verstehst was mit dem Verstand nicht zu verstehen ist. Es braucht die besondere Erfahrung der bewussten, zugelassenen, ungedrängten Veränderung, um diese traumhafte Choreographie zu spüren, wenn Du dabei zusehen darfst oder sie selbst zelebrierst. Ich bin sofort als Mensch politisch und revolutionär, weil ich reale Veränderung zulasse, denn

“[…] die Beachtung der Rechte des Anderen und der Abbau des Wunsches, alles nach der eigenen Vorstellung zu gestalten […] ist auch die Voraussetzung der Versöhnung zwischen Mensch und Natur: Weniger die Natur beherrschen wollen als mit ihr leben und sich von ihr leiten lassen”[4]

“Du hörst mich singen, aber du kennst mich nicht
Du weißt nicht, für wen ich singe, aber ich sing für dich
Wer wird die neue Welt bauen, wenn nicht du und ich?
Und wenn du mich jetzt verstehen willst, dann verstehst du mich.

Ich bin aufgewacht und hab gesehen
Woher wir kommen, wohin wir gehen
Und der lange Weg, der vor uns liegt
Führt Schritt für Schritt ins Paradies

Ich hab lang gewartet und nachgedacht
Hatte viele Träume und jetzt bin ich wach
Wenn wir suchen, finden wir das neue Land
Uns trennt nichts vom Paradies außer unserer Angst

Ich bin aufgewacht und hab gesehen
Woher wir kommen, wohin wir gehen
Und der lange Weg, der vor uns liegt
Führt Schritt für Schritt ins Paradies”[5]

“Entflieht der Mensch seiner geschichtlichen Bedingtheit, so entsagt er nicht zugleich seinem Menschsein, um sich in der “Animalität” zu verlieren; er findet die Sprache, manchmal auch das Erleben eines “verlorenen Paradieses” wieder. Die Träume, die Tagträume, die Bilder die seine Heimwehgefühle begleiten, seine Sehnsüchte, seine Begeisterung, all das sind Gewalten, die den in seine geschichtlichen Bedingtheiten eingesperrten Menschen in eine geistige Welt entrücken, die unendlich reicher an Geist ist, als die geschlossene Welt seines “geschichtlichen Moments.”[6]

Brechen wir auf in das Paradies und werden mythmakerz.

 

[1] Johann Sebastian Bach, Johannes-Passion, BW 245, 1724, Akt IV, Kreuzigung und Tod

[2] Heinrich Zimmer, Indische Sphären, Rascher Verlag Zürich 1963, Erstauflage 1935, S. 69

[3] Der Foolsdance, ein Kernelement des Selbsterfahrungsseminar “Die Heldenreise” nach Paul Rebillot, er ist der getanzte Erfahrungsbericht des eigenen Prozesses, darstellende Kunst in seiner reinsten Form. Quelle: deine-heldenreise.com

[4] Paul Goodman über die anarchistische Gesellschaftsordnung in Blankertz Der kritische Pragmatismus Paul Goodmans, S. 52, Köln 1989, zitiert in Portele, Der Mensch ist kein Wägelchen, S. 85, Edition Humanistische Psychologie, Köln 1992

[5] Ton Steine Scherben, Schritt für Schritt in s Paradies, auf Keine Macht für Niemand, 1972

[6] Mircea Eliade, Ewige Bilder und Sinnbilder, Über die magisch-religiöse Symbolik, Insel Taschenbuch 1998, Erstausgabe Paris 1952, S. 14