Notwendigkeit 2019-06-20T18:39:53+00:00

Project Description

Wir sind Menschen und gestalten unsere zivilisierte Gesellschaft entsprechend unserer unterschiedlichsten Bedürfnisse. Damit verändern wir auch tiefgreifend die Erde. Darin liegt eine Verantwortung, der er mich nicht entziehen kann. Der Zustand der Erde ist auch mein Zustand. Der Mensch mit seinem antrainierten Streben nach Perfektion und Vollkommenheit, stellt sich jedoch klar über die Natur und zerstört sie in egozentrierter Missachtung. Damit vernichtet der Mensch seinen eigenen Lebensraum. Wie er mit der Natur umgeht, so geht er auch mit sich um. Menschen unterdrücken Menschen. So existieren wir also (selbst)unterdrückt und unterdrückend, in der Vertikalspannung hin zu einem unerreichbar gedachten Menschenbild, genannt „Der neue Mensch“.

Immer habe ich darauf gewartet, dass ich endlich „das Ziel“ erreiche. Selbst wenn ich es erreicht habe, war es schon wieder weg – unerreichbar fern. Was für ein flüchtiges Ding, so ein Ziel doch ist. Wahrscheinlich ist das was ist in diesem Moment jetzt, erfüllender, spannender und zukunftsreicher als jede Vision. Meinen Blick auf das hilfreiche Jetzt, versperre ich mir allerdings mit meinen Gedanken des Willens zum Ziel und dem Zweifel an meinen Fähigkeiten prinzipiell. Ein sich selbst antreibendes Hamsterrad, ein perpetuum mobile[1] mit ungeheuren Fliehkräften. Ich entdecke in diesem oft schmerzhaften und dann wieder heiteren Wellenbad aus Erfolgen und Scheitern Poesie.

Kann es sein, dass die wirkliche Erleichterung des menschlichen Lebens, im wertfreien Akzeptieren und Erfahren liegt und nicht aus dem gestaltenden Vermeiden selbst geschaffener Katastrophen im Spannungsfeld aus Positiv und Negativ entsteht? Mit dieser Materialsammlung und meiner künstlerischen Arbeit, werbe ich für eine poetische, hingebungsvolle Sicht auf das Leben, auf die Arbeit, den Menschen, die Natur – jenseits der Jahrhunderte alten perverspatriarchalen Denkweise der bewertenden Selbstvergrößerung. Die Rolle meines Lebens finden, annehmen und ausschöpfend spielen, heißt ja nicht, mich mit den alles verzerrenden Mustern meiner ewig strebenden Konditionierung abzufinden. Die entscheidenden Wegweiser auf dieser Reise, finde ich in den Mythen und Religionen der Welt.

[1] Utopie einer Maschine, die ohne Energiezufuhr ewig in Bewegung bleibt, nachdem sie einmal in Gang gesetzt wurde, lat. ‚sich ständig bewegend‘