XLII Try to think of the script, as something that was written down, after you play it

XLII Try to think of the script, as something that was written down, after you play it 2019-10-07T17:24:21+00:00

Project Description

Denke ich den Text historisch, in seinem Geflecht aus Ursache und Wirkung, als des Werk jenes Autors mit dieser oder jener Intention, der heute von uns so oder anders interpretiert oder rezitiert wird, dann entgeht mir das Wesen der Worte, das Heilige, das Universelle – das was uns in diesen Worten alle betrifft, weil wir Menschen sind. Immer hat ein Mensch geschrieben und immer aus sich selbst heraus. Nie befand er sich im Vakuum des absoluten Nichts. Immer kämpfen in ihm Ängste, Sorgen, Nöte. Immer wüten Leidenschaften, Freude, Überschwang. Immer bin ich dem Dichter gleich, in der unendlichen Tiefe meiner Seele.  Spielend werde ich Vorgang der Schöpfung wiederholen, indem ich selbst dichte. Mit meinem ganzen Körper, dann erst folgen die Worte des Dichters. Die Eruption des Vulkanes, die Spitze des Eisberges.

„Wen keine Glaubensgemeinschaft mehr umfängt, die noch Ritus und Mythos besitzt, dem treten leitend die Dichter zur Seite. Der seltene wahre Dichter ist wie Priester und Guru Schatzwalter der Urbilder des kollektiven Unbewußten seiner Kultur. Nicht Erfinden, aber Wiederfinden und Beleben ist sein Amt. […] daß er den zeitlosen Genien dient und ihr Bild über die Zeiten für die seine erneuert.“[1]

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[1] Zimmer, 1935, S.171