XLIII Dichten ist Spielen

XLIII Dichten ist Spielen 2019-10-07T17:27:23+00:00

Project Description

„Dichten heißt, hinter den Worten das Urwort aufklingen lassen.“[1]

Ich spiele mit allen meinen Möglichkeiten. Jedes einzelne Wort ward noch nie so jemals gesagt oder geschrieben und wurde doch schon tausendmal erfahren und gelebt. Ich erlebe und erfahre mit meinem Körper und meinem offenen, kindlichen, alles akzeptierenden Geist (also meiner Weisheit), jene geschriebenen und gelesenen Worte aus dem Script, ohne auch nur annähernd einen Gedanken an ihre kognitive Durchdringung zu verschwenden. Ihre realistische Bedeutung ist mir egal. Was sollen die Worte schon bedeuten. Sowie ich mir ein Bild ihrer Bedeutung mache, bin ich doch schon wieder in meinen Möglichkeiten eingeschränkt. Dann weiß ich doch schon wieder etwas. Ein Tisch klingt dann wie ein Tisch. Warum soll ich mich jetzt schon eingrenzen? Nein: Klang, Rhythmus, Gefühl!  Was passiert mit meinem Körper, meinem Atem, meinen Gedanken und meiner Seele, beim bedeutungslosen Lautmalen der Vokale und Konsonanten in ihrer Verkettung, wenn dieser Gesang in meinen Körper eingeht? Was passiert, wenn ich die Worte einfach verändere? Probiere es aus und versuche Deine Schamgrenze immer etwas weiter zu verschieben. Vergrößere und verkleinere den Raum Deiner Bewegungen und die ganze Fülle Deiner Stimme. Spiele mit den Tempi: adagio, andante, presto, largo, allegro, lento … Klang, Rhythmus, Gefühl! Laut für Laut, Wort für Wort, Wortspiele, Lautspiele, Satz für Satz. Es ist ein Spiel. Nicht mehr, als das Leben ohnehin. Sei weit, nimm Dir Raum und Freude.

Und komm zur Ruhe und spüre Deinen Körper, finde Deine Mitte, Dein Zentrum. Wie stehst Du da? Körper, Atem, Gedanken, Seele. Nimm Dich wahr und verzichte auf jede Bewertung.

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[1] Gerhard Hauptmann, Aus meinem Diarium, 1917-1933