XVII Durch keine Kritik getrübte Einheit

XVII Durch keine Kritik getrübte Einheit 2019-09-13T15:11:17+00:00

Project Description

“Mensch, Welt und Gottheit sind ursprünglich ein Ganzes, eine durch keine Kritik getrübte Einheit. […] eine Zeit, die durch die ursprüngliche Einheit – die schöne oder häßliche oder ängstliche Einheit – mit der ganzen Natur charakterisiert ist.”[1]

Keine Sünde, keine Tugend, weder Verführung, noch Versuchung, ohne Zweifel ohne Lüge
und dunkle, schwere berauschende Lust, Gier
Zügellosigkeit in Freude
in Wut, Kraft, Energie – alles Lebendige im Überfluss
kein ausgestorbenes Gefühl, keine verkümmerte Regung,
kein unterdrücktes Bedürfnis,
kein Artenstreben
Grenzenloser Reichtum.

” […] Zum Bild des Ganzen gehört die dunkle Schwere der Erde. In “dieser Welt” fehlt an keinem Guten ein Böses, an keinem Tag eine Nacht, an keinem Sommer ein Winter. Aber dem Kulturmenschen fehlt vielleicht der Winter, denn er kann sich gegen die Kälte schützen; der Schmutz, denn er kann sich baden; die Sünde, denn er kann sich klugerweise von anderen absondern und dadurch manch böse Gelegenheit vermeiden. Er kann sich gut und rein vorkommen, weil ihn die Not nicht eines anderen belehrt.”[2]

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[1] Jung, 1940, Abs.201, S. 153ff in Psychologische Deutung des Trinitätsdogmas

[2] Jung, 1940. Abs.264, S.193 in Psychologische Deutung des Trinitätsdogmas