XXII Verächtlichmachen

XXII Verächtlichmachen 2019-09-13T17:12:10+00:00

Project Description

“Wir erziehen unsere nächste Generation mit dem Ziel, genauso zu sein wie wir. Als ob wir zufrieden wären mit uns selbst. […] Unsere Erziehung sozialisiert Kinder zu Verkörperungen und Trägern patriarchalen Geistes. Wir brauchen dagegen eine Erziehung zu Evolution und Ganzheit. […] eine Erziehung die nicht nur auf die Fähigkeit zur Vernunft abzielt, sondern auch auf unsere Fähigkeit zur Liebe und zur Bereitschaft, wir selbst zu sein. Wir brauchen eine Erziehung die nicht nur auf Gehorsam und Intelligenz abzielt […] sie muß uns zu Wissen über unsere Innenwelt und nicht ausschließlich zu Wissen über die äußere Welt führen.”[1]

Turm ohne Stufen, Geländer ohne Wege, Zimmer ohne Dielen
Stroh in der Rattenwohnung, frischer Estrich tropft durch,
kein Zentimeter Festigkeit hält
stand
Treibsandbau der Genügsamkeit eleganter Schlichtheit.

Nie endend Trockenwohnen was nie endend fertig wird,
fertig war einmal –
Sonnenlicht galt, Regenmangel.
Gardinengewebe aller Fenster unschuldig, feengleich –
wedelndes, wehendes Weiß
stechende Blitze

“Die Verdrängung ist eine Art von halbbewußtem und unentschiedenen Gehenlassen der Dinge, oder ein Verächtlichmachen von Trauben, die zu hoch hängen, oder ein In-die-andere Richtung blicken, um der eigenen Wünsche nicht ansichtig zu werden.”[2]

Feuer!
Schallt kein Ruf durch die Mittagsstille der Trägheit.
Feuer!
durch alle verstaubten Öffnungen, durch alle Gelegenheiten
färbt glutrotheiß  Nacht am Tag.

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[1] Claudio Naranjo, Zivilisation – eine Krankheit, die durch Erziehung geheilt werden könnte, in Gerald Hüther, Wolfgang Roth, Michael v. Brück/Hsrg., 2013, S.120

[2] Jung, 1940, Abs.129, S.92 in Philosophie und Religion