XXXIV Truth is the ultimate God!

XXXIV Truth is the ultimate God! 2019-09-18T17:03:45+00:00

Project Description

„Gott“ lässt den Stärkeren gewinnen. Der direkte Zweikampf, fordert das Gottesurteil heraus. Der Unterlegene ist geschlagen, ist im Unrecht, seiner Ehre, seiner Güter, seiner Macht beraubt. Das ist die Grundlage, jeder direkten Auseinandersetzung im harten Zweikampf, im Fehderecht, im Krieg – seit Menschen in einer personifizierten, abstrakten Gottesidee denken. Und was ist, wenn Gott sich einzig in der Wahrhaftigkeit des Kontaktes zeigt?  Also in der Stärke der Phantasie, des Wissens, der Ehrlichkeit und Wachheit seines Schöpfers, des Poeten? Wenn weder Muskelkraft noch Waffensysteme gewinnen, sondern all das nur Stellvertreter sind, für einen leidvollen und gewonnenen oder verlorenen eigenen inneren Kampf? Heldentum ist innerlich!

Eine Theorie: Kriege waren einst die Schlachten der Poeten miteinander, die in leidenschaftlichen, besonderen Worten von sich sangen, ihrer eigenen Entwicklung hin zum „wer so weiß – ya evam veda“, dem „Neuen Menschen“. Nicht in der Selbstüberhöhung, Anmaßung und Aufschneiderei, sondern bildlich phantastisch, in eine geträumte Welt verlagert – von Ihrer eigenen Erkenntnis. Das ist Magie.

„[…] wie Kinder, in deren Spiel der spontane Drang des Geistes, sich aus schierer Lust am Spielen mit etwas anderem als sich selbst zu identifizieren. […] Im Grunde nämlich sind die Dinge der Welt gar nicht so wirklich oder beständig, schrecklich, wichtig oder logisch, wie sie scheinen.“[1]

Entstand so Merlin und King Arthur? Gewann hier wirklich der Stärkere, also der verspielteste und kindlichste, offenste Mensch und nicht der Ernsteste? Bist Du vielleicht so ein starker Schöpfer? Ein Magier? Ein Druide? Versuche es! Kämpfe. Mit Dir! Der Stärkere ist der, der seine Worte (seines Textes) in einer schonungslosen Selbstauskunft, mit einer gleichsam phantastischen Körperwelt, Tonwelt, Atemwelt in Beziehung zum Gegenüber bringen kann, SICH damit NAHE bringen kann. Es geht nicht darum, zu überfahren, zu übertrumpfen, zu brillieren, zu glänzen. Vergiss Deine Vorstellung von Krieg und Konflikt.
Truth is the ultimate god!

„Der Begriff Spiel ist höherer Ordnung als der des Ernstes. Denn Ernst sucht das Spiel auszuschließen, Spiel jedoch kann sehr wohl den Ernst in sich einschließen.“[2]

Niemals erzählen die Mythen vom profanen Schlachten, Meucheln und Morden, höchstens damit der selbstignorante Mensch ein wenig versteht, von den wahren Schlachten in uns, die wir Menschen schlagen müssen. Wahrer Adel ist innere Weisheit. DAS ist das natürliche Gewaltrecht. Immer ist es ein Verderben, wenn ein ungelöster innerer Konflikt eines unbewussten Menschen, auf die Visionen der Poeten trifft und ohne Rückkehr in die ureigene In-Weltkrise, stattdessen in der realen Materie, identisch kriegerisch, blutig ausagiert wird. Denn diese Menschen fürchten den Tod, da sie den inneren Tod nicht sterben können. Nie sind sie aufrechte Krieger. Aber sie können morden, vielleicht gerade deswegen. Der historische Mensch adelt Mörder, nicht der poetische. Ab jetzt sprich von Dir mit Deiner Poesie.

„Im religiösen Leben der “zupackenden”, allzu geschäftigen oder schlicht unbegabten Mehrheit der Menschen überwiegt der historische Faktor. Das ganze Ausmaß ihrer Erfahrung bewegt sich im öffentlichen Bereich ihrer Kultur und läßt sich historisch untersuchen. In den geistigen Krisen und Erkenntnissen der “einfühlenden” Personen mit mystischem Einschlag jedoch, ist es der nichthistorische Faktor, der überwiegt, und für sie ist die Bilderwelt ihrer Überlieferung – einerlei wie hochentwickelt sie sein mag – lediglich ein mehr oder weniger taugliches Mittel dazu, eine Erfahrung wiederzugeben, von der sie jenseits des Gesichtskreises dieser Bilderwelt mit unmittelbarer Gewalt getroffen wurden. Denn in letzter Analyse ist die religiöse Erfahrung psychisch und im tiefsten Sinne spontan; sie vollzieht sich im Inneren […] ist aber in einem solchen Maße für die gesamte Menschheit konstant […] und überall wo sie auftritt, allen Bildern Sinntiefe verleiht […] Der Schamane repräsentiert diese Tiefe des Erlebens auf der Ebene der Urvölker, wie es der Mystiker, Dichter und Künstler auf den höheren Sprossen der Kulturleiter tun.“[3]

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[1] Campbell, 1959, S.43 in Mythologie der Urvölker

[2] Huinzinga zitiert in Campbell, 1959, S.462 in Mythologie der Urvölker

[3] Campbell, 1959, S.296 in Mythologie der Urvölker