XXXIX Vom Kinde zur Jungfrau

XXXIX Vom Kinde zur Jungfrau 2019-10-08T18:24:57+00:00

Project Description

Das spielende und entdeckende Kind, verkörpert symbolisch die durch nichts verfärbte Weisheit des absoluten Anfanges, im Mythos der Menschheitsentwicklung. Ausgestattet mit unbeschreiblicher Kraft, Mitgefühl und Freude, wächst es in wenigen Tagen zur Heldengestalt, die allen Situationen gewachsen ist und in jedem Menschen wohnt, unabhängig von der Rolle, die wir uns in diesem Leben spielen lassen.

„Dem Unausweichlichen gewachsen sein, ist die Weisheit des Lebens. Das Unbewußte allein, das alles weiß und sinnbildlich in sich bewegt, uns aber als Person davon nur soviel sehen läßt, als wir verdienen; wenn wir ihm zu lauschen vermögen, und nicht viel mehr, als wir bedürfen, um unseren Weg durch die unausweichlichen Gehalte des Lebens zu wandeln, – das Unbewußte allein ist allem gewachsen. Es ist das alterslose Ganze, dem nichts Neues geschieht, was auch mit uns geschehe, und das dem Gange des Ich zuschaut wie die kummerlose Natur dem Aufblühen und Vergehen ihrer Geschöpfe. Seine wachste Zeit in den meisten Menschen ist die Kindheit, daher ist sie das eigentlich geniale Alter: zauberhaft, unbestechlich und allem nahe.“[1]

Das Kind verkörpert die Weisheit, des vollständigen unbewussten Lebens im Menschen. Es ist die Weisheit des kindlichen Seins, in dem alles möglich ist und doch Sorgen und Nöte nicht vorkommen, einzig der alles einschließende Moment des Augenblicks. In diesem Wesen hat jede Heldentat Potential. Es ist das Leben, mit der Kraft einer unwissenden und somit gänzlich freien Phantasie, in der die Grenzen von Raum und Zeit verschwimmen.

„[…] die Phantasie ist nicht nichts anderes als erweitertes oder zusammengefasstes Gedächtnis. Dieser Grundsatz ist die Ursache der Schlagkraft der poetischen Bilder“[2]

 

„Es ist der „[…] Archetypus des Kindes, welches die Ganzheit des Menschen ausdrückt. Es ist das Verlassene und Ausgelieferte und zugleich das Göttlich – Mächtige, der unansehnliche, zweifelhafte Anfang und das triumphierende Ende. Das “ewige Kind” im Menschen ist eine unbeschreibliche Erfahrung, eine Unangepaßtheit […]“[3]

Ohne das kindliche Staunen, ohne die unvernünftige kindliche Lernfreude, ohne die scheinbar unbegrenzte Kraft im Augenblick des Spielens wäre keine menschliche Entwicklung denkbar, keine phantastische Innenwelt, keine Kultur.

„Kind bedeutet etwas zur Selbständigkeit Erwachendes. Es kann nicht werden ohne Loslösung vom Ursprung.“[4]

 

„Nicht wenige Kindgestalten sind Kulturbringer und darum mit hilfreichen Kulturfaktoren identifiziert, so mit dem Feuer (sogar Christus ist noch von feuriger Natur “Qui iuxta me est, iuxta ignem est” “Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe) Als Erleuchter, das heißt Bewußtseinsvermehrer, besiegen sie die Dunkelheit, nämlich den früheren unbewußten Zustand.“[5]

Wir sind im Umgang mit Kindern einen anderen Weg gewohnt, als das selbstständige Erwachen und freie Loslösen vom Ursprung zuzulassen. Auch wenn wir damit vielen schlummernden Potentialen, den Weg in die Aktualität ebenen könnten. Unsere Zivilisation bevorzugt den Weg des Formens, des Gestaltens, des Anpassens der Kinder an unsere erwachsenen Bedürfnisse, analog dem Umgang mit scheinbar unzivilisierten, also kindlichen Kulturen. Die Kolonialgeschichte und ihre Auswirkungen, sind ein lebendiges Gleichnis für unseren Umgang mit  Kindern. Im Kern und Wesen hat sich bis heute nicht viel geändert. Schläge sind noch immer opportun, physisch oder eben psychisch. Gewalt bleibt Gewalt. Besserwissen bleibt Besserwissen, auch wenn sich die Erzieher im sauberen Gewand der Nächstenliebe, des Humanismus oder der Entwicklungshilfe präsentieren. Worte sagen etwas andres als Taten.

„Eltern wollen das Kind schaffen nach ihrem Bilde, Gebrochen wird der Wille des Kindes durch Prügel, durch Näscherei. Die verlorenen Söhne, die verlorenen Töchter klagen an. Die Anklage ist ihr willenloses, ihr unterjochtes Leben. Frei sollen Kinder sein: Kind und Mann und Weib.“[6]

Nehme ich jetzt die erfahrbare Tatsache hinzu, dass „ein Kind“ eben auch in mir selbst wohnt, mein Kind, ich selbst als Kind mit all meinen kindlichen Anteilen in mir, dann brauche ich nur meinen ganz persönlichen Umgang mit meiner spielerischen Welt vergleichen. Ich selbst bevorzugte das zielorientierte Formen und Gestalten meiner einst blühenden kindlichen Welt, vor dem vertrauenden wohlwollenden Beobachten und Zulassen. Das Spielen wieder neu zu entdecken, ist eine Form der Renaturierung meiner Selbst, und entspricht der Bewusstseinsvermehrung und Selbstbefreiung. Neue Erfahrungen warten. Unvermutete Potentiale drängen an das Licht. Im Kind finde ich den dämonischen Willen frei zu sein. Ein Wille, tief aus der Verbundenheit mit der Erde, der Sonne entgegen zu wachsen. Tut das nicht jede Pflanze, auch gegen alle Widerstände? Das kindliche strebende Leben, ist ein ehrliches, wahrhaftiges Leben, wenn es nicht eingesperrt wird, vergiftet, gefällt. Das freie kindliche Leben, ist zugleich der Zustand des dichtenden Spielens, des erschaffenden, lebendigen Spielens im Augenblick. Im Zustand des Kindes, führt dieser Weg unreflektiert durch Himmel und Hölle. Ein Ausgeliefertsein an die eigenen Rollen und Schöpfungen, erwachenden Begierden und Emotionen, die zugleich den Fortschritt bedeuten und mit Worten als Sünden diskreditiert wurden. Ein Zeitenwechsel setzte ein, die Zeit der ewigen Unschuld ist vorbei oder wird das nur wörtlich behauptet und sie endete nie? Bis hierher war das Kind, als Symbol der Weisheit, des Anfangs und ALLER Möglichkeiten, immer auch ein Kind der Mutter Erde, der Kraft der Frau. Das wird sich ändern.

 

Jungfrau

„Wir halten das Motiv der Jungfrauengeburt fest. […] Ein ewiges, höheres Prinzip reinen Lichts ist gegen den älteren Wechsel von Dunkel und Helle, Tod und Auferstehung ins Feld geführt worden, wie die Sonne gegen den Mond. Die Sonne stirbt nie. Die Sonne steigt in die Unterwelt hinab, bekämpft die Dämonen des Nachtmeeres, gerät in Gefahr, aber stirbt nie.“[7]

Das Bild des alles in sich vereinenden Kindes, der Weisheit aller Urzeiten aus Nacht und Tag im steten Wechsel, wandelt sich im Lichte der Sonne betrachtet, im Licht des Bewusstwerdens. Aus dem Kind der Nacht, des Mondes, der feuchten schweren Finsternis, wurde in wenigen Tagen der ewig junge, kräftige Heros des Lichtes, der kämpfende Held der (Selbst)Befreiung, der Sonnenkönig. Und ließ in der denkenden Welt, das Kind weit hinter sich zurück.

„Durch die Mondphasen – “Geburt”, “Tod” und “Auferstehung” des Mondes – wurden die Menschen sich Ihrer eigenen Seinsweise im Kosmos und zugleich Ihrer Aussichten auf Fortleben oder Wiedergeburt bewußt.[…] Denn die Botschaft des Mondes an den religiösen Menschen besagt nicht nur, daß der Tod unlösbar mit dem Leben verbunden ist, sondern auch und vor allem, daß der Tod nicht endgültig ist, daß ihm immer eine neue Geburt folgt.“[8]

Mit dem Helden losgelöst vom spielerischen Kinde, jener männlich gedachten Gestalt, ging die Sonne endgültig auf, die sogar den Mond besiegt. Die Erleuchtung, das Licht – damit wird der Tod besiegt. Es folgt keine Reihe von Wiedergeburten mehr, kein Abtauchen mehr, in die Tiefen der Dunkelheit und keine neue Geburt. Es folgt das ewige Leben, das ewige sündenfreie Leben, denn die Sünden gehören in das überwundene Reich der Finsternis, der Nacht. Was nicht sein darf, ist nicht. Punkt.  Die Aufmerksamkeit wandert aus dem lustvollen, energiegeladenen menschlichen Becken, immer weiter in den analysierenden, reflektierenden Kopf. Wer hier noch folgen kann? Aus der Erfahrung geboren, entwickelt sich Mensch in die denkende Durchdringung.

„Die Sonne dagegen offenbart eine andere Existenzweise: sie hat nicht am Werden teil; obwohl immer in Bewegung, bleibt sie unveränderlich, ihre Gestalt ist immer dieselbe. In den Sonnenhierophanien erscheinen die religiösen Werte der Autonomie und der Kraft, der Souveränität, der Intelligenz. […] Viele Heroenmythologien sind von solarer Struktur. Der Heros wird der Sonne gleichgesetzt; wie die Sonne kämpft er mit der Finsternis, steigt in das reich des Todes hinab und als Sieger wieder empor. Hier ist die Finsternis nicht mehr, wie in den Mondmythologien eine Seinsweise der Gottheit, sondern Symbol für alles, was der Gott nicht ist, also der Widersacher. […] in der Perspektive der Sonnenreligionen steht die Finsternis gegen das Leben, die Gestalt, die Erkenntnis. […] die Sonne ist die Intelligenz der Welt.“[9]

Der Heros, der Sonnenheld, die Intelligenz, das Abgrenzen, das Licht ins Dunkel bringen, die Kraft der Reflektion – es kann kein profanes Weib die Mutter dieses Sohnes  ( und nicht der Tochter!) sein, die sündhaft und emotionsgeladen empfängt, die Nacht und Tag kennt und lebt, die im Schwingen der Natur verhaftet ist. Es kann kein normaler Mensch die Gebärerin sein, genauso wenig, wie der Heros ein normaler Mensch ist. Er ist männlich. Er ist menschgewordener Gott. Er ist ein Symbol der Sonne, des Tages, der Bewusstheit. Seine Mutter und Helferin hingegen, ein Symbol der Nacht? Das Symbol der Jungfrauengeburt entsteht.

„Die Nymphen, Feen und Halbgöttinnen […] gelten als die Mütter, Gattinnen oder Erzieherinnen der Heroen, das heißt derjenigen unter den Menschen, denen es gelingt das menschliche Los zu übersteigen […] sie unterweist sie, hilft ihnen bei ihren Proben(die oft Initiationsproben sind) und entdeckt ihnen die Mittel, sich des Symbols der Unsterblichkeit oder des langen Lebens (des wunderbaren Krauts, der Wunderäpfel, des Jungbrunnens) zu bemächtigen […] es ist immer ein weibliches Wesen, welches dem Heros hilft.“[10]

 

Frau

Konzentration auf die Frau: ohne die „Erbsünde“ ist die Frau als Empfängerin und Gebärerin von Leben nicht denkbar. Damit war sie einst göttlich und verehrt, Mütter und Töchter. Das Sinnbild für die Wahrheit? Eine nackte Frau, aller Gewänder und allen Schmucks entledigt, die sie auf einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit festlegen würden. Die gänzlich entblößte Frau repräsentiert zuerst die Wahrheit.

„Jede nackte Frau ist eine Inkarnation der Natur (prakrti). Man wird sie deshalb mit derselben Bewunderung und derselben Abgelöstheit zu betrachten haben, wie man sie bei der Betrachtung des unauslotbaren Geheimnisses der Natur und seiner unbegrenzten Schöpfungsfähigkeit mitbringt. Die rituelle Nacktheit […] hat wesentlichen mystischen Wert […] die Frau im Ritus wird zur Göttin […] die sexuelle Vereinigung verwandelt sich in ein Ritual, durch welches das menschliche Paar ein göttliches Paar wird.“[11]

Natur und Vereinigung sind die Erbsünde. Daraus entstehen Kinder, die erzogen werden müssen. Die Jungfrau aber, die der kreatürlichen Versuchung ganz bewusst denkend, im Licht des Tages widersteht, repräsentiert nun die Weisheit. Jene die, wie einst das Kind, unbefleckt und ewig rein ist, jene die die Erbsünde nicht kennt. Wie einst das Kind. Das Kind der Jungfrau muss nicht erzogen werden, es ist die Menschengestalt Gottes. Das Wunder.

Die Jungfrau! Die Reinheit der Jungfrau steht für die spirituelle Integrität – für Offenheit, Reinheit, fehlende Wertung und fehlende Doppelbödigkeit. Die „Litanei der heiligen Jungfrau“ enthält das Gebet „sedes sapientae, ora pro nobis“ (Sitz der Weisheit, bete für uns). In der Predigt über die Himmelfahrt, ist die Jungfrau ein siebensäuliger Tempel der Weisheit, den die Weisheit sich selbst errichtet hat. Und so wird schließlich die Weisheit gelobt im Buch der Weisheit (7,22 – 8,1):

„In ihr ist ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, durchdringend, unbefleckt, klar, unverletzlich, das Gute liebend, scharf, nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und zartesten. Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles. Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes und reiner Ausfluß der Herrlichkeit des Allherrschers; darum fällt kein Schatten auf sie. Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit. Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten; denn Gott liebt nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt. Sie ist schöner als die Sonne und übertrifft jedes Sternbild. Sie ist strahlender als das Licht; denn diesem folgt die Nacht, doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit. Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.“[12]

Und die Jungfrau als Sinnbild der Weisheit entbindet, befruchtet durch den Hauch des heiligen Geistes, die Freiheit, das Heldenschicksal, die Tat der Befreiung. Die „Einhauchung“ ist in der spielerischen Welt der Vorgang der Inspiration, der Kuss der Muse, die Eingebung.

„Die Wahrheit ist aus der Erde entstanden, weil Christus aus der Jungfrau geboren wurde.“[13]

Aber wo ist das spielende Kind jetzt hin? So hat sich das Symbol der Jungfrau und des Helden, weit in den Bereich, der denkenden abstrakten Intelligenz verabschiedet, und das lebendige, spielerische, ausprobierende, kindliche Leben aus seiner Mitte verbannt, genauso, wie die Sünden aus der Mitte der Menschen verbannt wurden.  Es klingt final die Lauretanische Litanei, jener Lobgesang auf die Mutter Gottes:

„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
verschone uns, o Herr.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
erhöre uns, o Herr.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
erbarme dich unser, o Herr.

Bitte für uns, o heilige Gottesmutter.
Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Gütiger Gott,
du hast allen Menschen Maria zur Mutter gegeben;
höre auf ihre Fürsprache;
nimm von uns die Traurigkeit dieser Zeit,
dereinst aber gibt uns die ewige Freude.
Durch Christus, unsern Herrn.
Amen.“[14]

 

Die Mutter Gottes: „diese hat den Schatten gänzlich eingebüßt. Er ist in die Vulgärhölle gefallen, wo er ein kaum bemerktes Dasein als “Großmutter des Teufels” führt. Damit hat sich der Glanz der lichten und gütigen Gottheit ins Unermeßliche erhöht, das Dunkle aber, das durch den Teufel dargestellt werden sollte, hat sich im Menschen lokalisiert […] da das Christentum […] mit aller Macht seinen Monotheismus zu wahren suchte.“[15]

 

Göttin

Dem gegenüber stand, wie bereits gesagt, das Bild der getöteten überragenden großen Göttin, die Mutter des spielerischen Lebens, des Kindes, in dem die grenzenlose Gestalt des Heldenschicksals als Potential immer gegenwärtig ist, in Töchtern und Söhnen gleichermaßen.:

„[…] die überragende große Göttin […] ein metaphysisches Symbol: die Erzpersonifizierung der Kraft von Raum, Zeit und Materie, in deren Bezirk alle Wesen entstehen und vergehen: der Stoff ihrer Leiber, die Gestalterin ihrer Leben und Gedanken und die Empfängerin ihrer Toten. Und alles, was Form oder Name hat – einschließlich des als gut oder böse, gnädig oder zornig personifizierten Gottes-, war ihr Kind, in ihrem Schoß. […] die Mythologien der göttlichen Mutter, wurden von den […] patriarchalen Kriegerstämmen, deren Traditionen hauptsächlich im Alten und Neuen Testament und in den Mythen Griechenlands auf uns gekommen sind, von Grund auf verwandelt, umgedeutet und in großem Umfang sogar unterdrückt.“[16]

Und ihre sündhaften Bräuche:

„Die rituelle Orgie zugunsten der Ernte hat ebenfalls ein göttliches Modell: die Hierogamie des Fruchtbarkeitsgottes mit der Mutter Erde. Durch eine schrankenlose geschlechtliche Raserei, wird die Fruchtbarkeit der Äcker angeregt. Unter einem bestimmten Gesichtspunkt entspricht die Orgie der Undifferenziertheit, die vor der Schöpfung herrschte […] ist die Orgie ein Zurücktauchen in die kosmische Nacht, ins noch nicht Gestaltete, in die “Wasser”; sie ist dazu bestimmt, die totale Regeneration des Lebens und damit die Fruchtbarkeit der Erde und eine reiche Ernte zu gewährleisten.“[17]

Die Jungfrau vergessen und das spielende Kind in sich wiedererwecken oder zulassen, heißt nicht in infantile, gierige Muster verfallen. Es geht um die Erringung jener Freiheit in uns, sich selbst das Leben spielerisch erfahren zu lassen und so als Heros seine Möglichkeiten vielfältiger nutzen zu können.

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[1] Zimmer, 1935, S.155

[2] Jung, 1959, Abs.50, S.36 in Spezielle Phänomenologie des Kinderarchetypus

[3] Ebd. Abs.300, S.193

[4] Ebd. Abs.287, S.182

[5] Ebd. Abs.288, S.183

[6] Lothar Schreyer, Der neue Mensch in Der Sturm, 10. Ausgabe v. 10. Mai 1919

[7] Campbell, 1959, S.121 in Mythologie des Ostens

[8] Eliade, 1957, S.118

[9] Eliade, 1957, S.119

[10] Eliade, 1951/1975, S.88

[11] Eliade, 1960, S.268

[12] Die Bibel, Einheitsübersetzung 1980

[13] Augustinus von Hippo (354 – 430), Sermones ad populum, 189, II

[14] Anrufungen der Muttergottes, erstmals 1561 in Loreto (Italien) bezeugt

[15] Jung, 1959, Abs.189, S.116 in Die psychologischen Aspekte des Mutterarchetypus

[16] Campbell, 1959, S.18 in Mythologie des Westens

[17] Eliade, 1957, S.128f